Twitterer des Jahres
31. Dezember 2011
Twitter ist ein wahnsinnig interessantes Kommunikations-Medium. Auch ich nutze diesen “Micro-Bloggingdienst” seit langer Zeit und folge mit Stand zum 31.12.2011 1.999 Accounts. Aus diesem Fundus habe ich erstmalig meine “Twitterer des Jahres” ausgezeichnet (Hash-Tag #Twitterer2011). Damit möchte ich deutlich machen, dass es interessante Persönlichkeiten gibt, die mir über das gesamte Jahr hin durchweg positiv aufgefallen sind. Neben einigen Kategorien in denen ich Preisträger bekannt gegeben habe, gibt es drei “Sonderpreise” für Twitter-Accounts, über die meines Erachtens herausragende Arbeit geleistet wird. Auf Vorschlag eines dieser prämierten Twitter-Kollegen fasse ich meine Preisträger zusammen.

Politischer Aufsteiger des Jahres
Politischer Aufsteiger des Jahres: @PeterAltmaier “begann zu begreifen” und gehört inzwischen zum Inventar #Twitterer2011
Peter Altmaier ist parlamentarischer Geschäftsführer der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. Der Saarländer hat 2011 mit dem Twittern begonnen und wurde unter anderem damit bekannt, dass er bezogen auf seinen Kollegen Siegfried Kauder und dessen Forderungen nach einen Two-Out-Strikes-Modell schrieb: “Wer Bücher klaut ist kriminell, aber man nimmt ihm nicht die Lesebrille weg.” Er hat außerdem für die FAZ einen tollen netzpolitischen Artikel verfasst. @PeterAltmaier ist mein politischer Aufsteiger des Jahres auf Twitter!

Fernsehkanal des Jahres
Persönlich und stets informativ: @ZDF, bester Fernsehkanal 2011 hier auf Twitter! Wie es 2012 wird…? ;-) #Twitterer2011
Kaum zu glauben: @ZDF auf Twitter (früher: “ZDFonline”) wird von nur zwei Personen geführt – Marco Bereth und Michael Umlandt, die ursprünglich gar nicht für das ZDF gearbeitet haben. Ihr Stil zu twittern ist sehr locker, der Inhalt trotzdem tiefgehend, informativ. Es macht einfach Spaß, Follower des ZDF zu sein. Auch wenn die Kollegen von ProSieben und Sat.1 ebenso gute Arbeit machen: Mein Fernsehkanal des Jahres auf Twitter ist eindeutig das ZDF!

Zeitung des Jahres
Manchmal zu lokal und deshalb spezifisch, aber gewiss das Internet verstanden: @RheinZeitung, die beste Zeitung auf Twitter! #Twitterer2011
Die “Rhein-Zeitung” ist eine Lokalzeitung und aus dem Rheinland stammend, deshalb sind die Inhalte dieser Tageszeitung als Hesse oftmals nicht mein Interesse. Das umfangreiche Online-Angebot bietet jedoch des Öfteren auch überregionale Themen spannend aufbereitet. Die “Rhein-Zeitung” bezieht dabei ganz bewusst auch Informationen von Twitter und scheut sich nicht, auch Twitterer als Quelle anzugeben. Andere Zeitungen hätten gewartet, bis dpa & Co. eine Agenturmeldung veröffentlichen. Auch in der Direkt-Kommunikation via Facebook und Twitter ist die RZ ganz weit vorne. Da können noch viele Tageszeitungen etwas von lernen. Viele Korrespondenten sind zudem selbst auf Twitter, nicht nur um Informationen zu empfangen, sondern auch zu senden. Beispielhaft sei hier Dietmar Brück, RLP-Landeskorrespondent, genannt. @rheinzeitung ist auf Twitter meine Zeitung des Jahres!

Twitterin des Jahres
Sie hat die Bauern auf #RTL nicht verdient, auch wenn sie ihr größter Fan ist: @Fran_Muc, die sympathischste Twitterin 2011! #Twitterer2011
Es gibt viele gute Twitterinnen auf Twitter, vor allem aus der Union. Seien es Kristina Schröder, Julia Klöckner oder Dorothee Bär. Und eben: Franziska Ferber. Die junge Büroleiterin der stellv. CSU-Generalsekretärin Bär hat einen sehr erfrischenden Stil und zieht ihre Follower gerne in den Bann, bezieht sie in ihre Tweets ein. Und selbst wenn sie mit ihren “Bauer sucht Frau”-Tweets zuweilen die gesamte Timeline überschwemmt, wirken ihre #bsf-Tweets trotz alledem sympathisch. Eine Frau, die Kommunikation kann. Daher ist @Fran_Muc meine Twitterin des Jahres!

Twitterer des Jahres
Manchmal kompliziert und in der falschen Partei, aber großes Nachwuchstalent: @Schmidtlepp, sympathischster Twitterer 2011! #Twitterer2011
Viele potentielle Preisträger hätte es für diesen Titel gegeben. Aber etwas Mut zur Lücke muss sein: Christopher Lauer ist Abgeordneter in Berlin, er ist zuweilen umstrittener Pirat durch und durch. Ein rhetorisches Talent, der versteht, wie eine Fraktion arbeiten sollte, aber mit seinen Versuchen dafür einzutreten mitunter scheitert. Seine Art auf Twitter zu agieren mag auf Dauer überfordernd wirken, aber sein Stil ist humorvoll und sympathisch. Er ist ein Twitter-Freund von Peter Altmaier. Christopher Lauer: Ein Mann in der falschen Partei, aber mit der richtigen Art. Daher ist @Schmidtlepp mein Twitterer des Jahres!


Sonderpreis: Blogger des Jahres
Sonderpreis I: Die Blogger des Jahres sind @hildwin und @stecki, stets mit einem schlauen Gedanken und flotter “Feder” #Twitterer2011
Sie engagieren sich beide für eine zukunftsgerichtete Netzpolitik: Frank Bergmann und Malte Steckmeister. Ihre Gedanken äußern sie nicht nur umfangreich in internen Gruppen und Mailinglisten bzw. auf Twitter, ihre Gedanken können sie stets auch gut zusammengefasst und pointiert analysiert “runterbloggen”. Die Lektüre ihrer Blogs wird für politisch Interessierte zur Pflicht. 2011 war ihr Jahr. @hildwin und @Stecki haben deshalb einen Sonderpreis mehr als verdient und sind meine Blogger des Jahres!

Sonderpreis: Journalisten des Jahres
Sonderpreis II: Sie liest man gerne, wenn man Journalisten folgen möchte: @raffisweb @chris_albrecht @Mathis22 @dominikrzepka #Twitterer2011
Wenn man denkt, Journalisten veröffentlichen ausschließlich in ihrem eigenen Medium – weit gefehlt! Nicht nur die “Rhein-Zeitung” beweist hier Gegenteiliges. Auch der hr und das ZDF sind vorne dabei. Rafael Bujotzek (ZDF “heute-journal”), Christian Albrecht (hr-online.de), Mathis Feldhoff (ZDF-Hauptstadtstudio) und Dominik Rzepka (heute.de) berichten über ihre Arbeit und darüber hinaus auf Twitter. Ein Vorbild für andere Journalisten. Daher sind sie meine Journalisten des Jahres auf Twitter!

Sonderpreis: FDPler des Jahres
Sonderpreis III: Noch jung, aber “oho” – @LasseBecker, ein Lichtblick bei der krisenbehafteten #FDP? Follower-Tipp! #Twitterer2011
Es mag ein wenig wie Hohn klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint: Lasse Becker, der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLis), macht – auch wenn inhaltlich manchmal anderer Meinung als ich – eine hervorragende Arbeit. Er trifft oftmals den Ton. Auch kann er klare Kante zeigen und hat FDP-Abgeordneten angedroht, sollten sie für die Vorratsdatenspeicherung stimmen, bräuchten sie sich bei den JuLis nicht mehr zu zeigen. Wow! Auf Twitter ist er stets ansprechbar, ist trotz seines Aufstieges zum Vorsitzenden der FDP-Jugendorganisation geerdet geblieben. Er ist deshalb (auf Twitter) mein FDPler des Jahres!
Wer, wie, was? Der Gamer
26. August 2011
Die Debatte um RTL Explosivs stigmatisierenden TV-Beitrag hat auch ein Gutes: Die Branche kann sich endlich einmal Gedanken um ihr Bild nach außen machen. Wer ist überhaupt ein Gamer? Wie wirkt der Gamer? Sprich: Wer darf sich von dem Beitrag auf RTL überhaupt angegriffen fühlen?
Über das Thema habe ich mir an diesem Donnerstag besonders Gedanken gemacht, als ich auf Twitter über das Verhalten von RTL und die Reaktionen darauf geschrieben habe und von meinen Lesern gefragt wurde, welche Relevanz Gaming in der öffentlichen Debatte überhaupt hat.
Meine schlichte Antwort war der Verweis auf eine repräsentative Umfrage des Branchenverbandes BIU, wonach in 2010 zirka 23 Millionen Deutsche “regelmäßig Computer- und Videospiele” spielen, darunter doch immerhin zehn Millionen Frauen.
Doch was verstehen wir unter Computer- und Videospielen? Auch, wenn eine ältere Frau regelmäßig am Rechner Solitär spielt oder der alte Amiga aus dem Keller geholt wird? Auch hier gibt der BIU mit seinen Marktzahlen einen Indikator: 2010 wurden 71 Millionen verkaufte Datenträger oder bezahlte Downloads gezählt, und diese Zahlen beziehen sich auf die erwähnte Spielerumfrage. Als Gamer zählt also, wer relativ aktuelle Spiele erworben hat.
Welche Plattformen gehören dazu? Auch hier gibt es spannende Entwicklungen. Außer dem PC gibt es neben Sonys PlayStation 3 auch Nintendos Wii oder die Xbox 360 von Microsoft, ganz zu schweigen von diversen Handhelds wie Nintendos 3Ds oder die in wenigen Monaten erscheinende PlayStation Vita. Daneben werden Games immer häufiger auf Smartphones gespielt, hierzu stellen Android und das iPhone die entsprechende Basis zur Verfügung. Online- und Browserspiele gehören ebenfalls zu den Plattformen.
Wer ein Gamer sein möchte, muss also nicht mehr unbedingt zuhause vor dem Monitor sitzen, Gaming funktioniert heutzutage selbst auf kleinsten Bildschirmen in ansprechender Qualität. Dabei gibt laut BIU der Computer aber weiterhin und deutlich den Ton an.
Des Weiteren gibt es noch eine weitere, zu klärende Unterscheidung: Ist ein Gamer nur derjenige, der sich regelmäßig mit Spielen auseinander setzt (Hardcore-Gamer), oder auch der Gelegenheitsspieler (Casual-Gamer)? Auch hier hat die Spielebranche, überwiegend aus Gründen der eigenen Weiterentwicklung – auch finanzieller Art – einen großen Sprung gemacht und weitet sein Feld aus. Casual-Gamer rücken immer mehr in den Blickwinkel der Hersteller. Sie machen inzwischen in den Statistiken einen erheblichen Teil aus. Nintendo bspw. spielt bewusst damit, das Gaming zu einem Familienabend zu machen wie bisher 4Gewinnt, Mensch ärgere Dich nicht oder Schach. Und damit haben sie Erfolg: Obgleich ein deutlicher Anteil weiterhin zwischen zehn und 19 Jahren alt ist, erschließt die Spielebranche ein großes Millionenpublikum selbst bei den ab 40-Jährigen (3,6 Mio. bis 49 Jahre, vier Mio. ab 50 Jahren). Dies liegt jedoch zudem auch daran, dass die heute 40-Jährigen bereits zu der Generation zählen dürfen, die mit der Elektronik aufgewachsen sind und deshalb auch als aufgeschlossener gelten dürfen.
Ein Gamer zu sein bedeutet heute folglich auch nicht mehr, sich ständig mit der Materie auseinander zu setzen, in Clans zu spielen oder ein Aktivposten auf den Servern von Online-Rollenspielen zu sein. Allerdings ist der Hardcore-Gamer weiterhin der am deutlichsten, zumindest öffentlich wahrnehmbare Teil der Community.
All diese Zahlen machen deutlich, dass der Gamer an sich ein überholter Begriff ist, da er heute lediglich noch die Funktion hat zu beschreiben, wer überhaupt spielt. Längst sind Computer- und Videospiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen, zählen nicht mehr zu den Randgruppen irgendwelcher “Freaks”, sondern sind ein Bestandteil des Alltages von Millionen Menschen in Deutschland.
Darf sich aber jeder von dem RTL-Beitrag stigmatisiert fühlen, der unter die Definition Gamer fällt? Ein Blick auf die Debatte vor allem via Facebook auf der offiziellen gamescom-Seite lässt erahnen, dass der Aufschrei nicht aus der ganzen Gesellschaft rührte, sondern sich auf eine bestimmte, wenn auch sehr lautstarke Gruppe beschränkte. Die Beschwerden kamen überwiegend von jungen Menschen, die sich offen als Gamer outen und eher zu denjenigen zählen, die sich regelmäßig mit Computer- und Videospielen auseinander setzen. Genau diese Gruppe nahm der RTL-Beitrag auch aufs Korn, jedoch mit dem Hinweis, so wie im Fernsehbeitrag seien alle Messebesucher gewesen.
Doch hier irrte der Beitrag. Sicherlich lebte die gamescom und lebt auch in Zukunft von skurril anmutenden Menschen, die sich verkleiden. Der auf den Durchschnitt heruntergebrochene Besucher der gamescom ist aber eben nicht so speziell, sondern ein normaler Jugendlicher, der die gamescom in seiner Freizeit besucht wie sonst ein Schwimmbad. Immer mehr Messebesucher kommen in Begleitung einer Freundin, was auch das Vorurteil relativiert, der Gamer sei Single und schüchtern. Obgleich es letzteres weiterhin geben wird, ist dies aber nicht mehr sinnbildlich für den durchschnittlichen Gamer.
Insofern lässt sich festhalten, dass der Gamer längst mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung beschreibt, der RTL-Beitrag sich aber besonders auf eine kleine Gruppe von Hardcore-Gamern bezog und dabei in seiner Beschreibung trotzdem noch extreme Entwicklungen darstellte, die nicht (mehr) repräsentativ sind für eine ganze Jugendkultur.
Koelnmesse: Öffnet die Hallen!
21. August 2011
275.000 Besucher auf der gamescom 2011 – eine stolze Zahl, die die Koelnmesse am Sonntag veröffentlichte. Doch es hätten noch mehr sein können, wenn die gamescom ihr Potential nur ausnützen würde, meint Frederic Schneider in seinem Kommentar.
Selbst der Branchenverband BIU wird nicht ganz damit gerechnet haben, dass der Besucherrekord aus 2010 so schnell noch einmal um gut acht Prozent mehr Gamer getoppt werden könnte. Ja, ein klares Fazit: die gamescom war für die Aussteller, Besucher und – bitte lasst uns diesen Triumph – auch für die Presse ein voller Erfolg.

Schon am Messedonnerstag war sehr viel los auf dem Messegelände
Doch die Vorkommnisse am Messesamstag geben zu denken. Aufgrund des hohen Andrangs hatte die Messeleitung entschieden, die Eingänge sicherheitshalber zu schließen und den Verkauf von Tagestickets zu stoppen. Ewig lange Schlangen bei hohen Temperaturen vor dem Messegelände und abnormale Wartezeiten an den Ständen – EA sprach von bis zu neun Stunden bei Battlefield 3 – waren das Resultat. Dass es irgendwann dazu kommt, war abzusehen. Schon in den Jahren 2009 sowie 2010 und selbst auf der “Games Convention” in Leipzig sind manche Hallen so überfüllt gewesen, dass man schwer durch kommen konnte. Selbst wenn es noch ging, so war es doch nie angenehm.
Wieso die Koelnmesse nicht reagierte, bleibt zunächst ihr Geheimnis. Wieso die Hallen 1, 2, 3 und 11 nicht benutzt werden, auch. Aber wieso? Mehr Hallen zu öffnen bedeutet sicherlich erst einmal auch mehr Arbeit, vielleicht auch geringere Quadratmeterpreise, es bedeutet zugleich aber auch mehr Platz, die Stände könnten flexibler gestaltet werden. Die Massen würden sich besser verteilen. Wahrscheinlich wäre der Besucherrekord von 275.000 Menschen noch höher ausgefallen.
Davon würden nicht nur die Aussteller profitieren, sondern besonders die Messebesucher, die das Kapital der gesamten gamescom sind. Nach dem Messesamstag in 2011 sollte die Koelnmesse, die ansonsten eine hervorragende Arbeit macht, reagieren und die anderen Hallen endlich öffnen.
Kolumne: Begeistert für das Bekannte
20. August 2011
Besucherstörme, soweit das Auge reicht, laute Musik, hübsche Damen: die gamescom machte ihrem Namen auch in diesem Jahr wieder aller Ehre. Doch die große Feier in Köln-Deutz darf nicht den Blick darüber versperren, dass sie vor allem von Spieleserien lebt. Und die könnten sich schon bald abnutzen.
Gamer sind wie kleine Kinder: Lässt man sie zu lange mit ihrem Geschenk alleine, wollen sie erst einmal nicht mehr los lassen. Folgt man diesem Vergleich, ist die gamescom ein überdimensionaler Kindergarten mit lauter Geschenken, die es zu entdecken gilt.
Genau genommen sind die Kinder jedoch Jugendliche, überwiegend im Alter von Schülern der höheren Klassen oder von Studenten, und die Geschenke sind die vielen Messestände in den Hallen 6 bis 10, die von Jahr zu Jahr mehr und bombastischer werden – nur die Spiele sind die gleichen.

Gamer, soweit das Auge reicht
Und damit ist bereits ein erster Kritikpunkt ausgemacht: Die Spielebranche steht auf der Stelle. Einmal abgesehen von der einen oder anderen Perle, lebt die Begeisterung auf der gamescom vor allem von den Spieleserien, von denen die Publisher jedes Jahr, aber doch spätestens alle zwei, drei Jahre einen neuen Teil veröffentlichen: FIFA Soccer und Need for Speed von Electronic Arts, DICE und EA veröffentlichen ein neues Battlefield, die Geschichte von Assassin’s Creed wird durch Ubisoft fortgesetzt – und ein neues Diablo oder StarCraft gehört inzwischen zum guten Ton. Die Gamer bedanken sich mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden, um zwanzig Minuten Diablo 3 anzuspielen.
Große Fortschritte machen diese Spiele vor allem im Optischen. Neue Grafik-Engines, wie die neueste Frostbite-Variante in Battlefield 3, sorgen für den einen oder anderen Augenschmauß bei den Gamern auf der gamescom – Ergebnis ist ein Lächeln, das sonst nur die immer freizügiger werdenden Messehostessen, in der Gamersprache auch als “Babes” tituliert, auf den Gesichtern der Spieler erzeugen. Allerdings stoßen die Entwickler schon jetzt an die Grenzen der Technik, manche fordern deshalb eine neue Konsolengeneration.
Schaut man sich die Konsolen-Spiele an, geben weiterhin Microsoft, Nintendo und Sony den Ton an, doch irgendwie sind Bewegungssteuerungen wie “Kinect for Xbox 360″ bereits zu etabliert, um als Trend zu gelten. So zog vor allem der Android-Bot durch die Hallen, um neue Produkte für Smartphone-Spiele zu bewerben. Spielehersteller richten sich immer häufiger darauf aus, ihre Spieleproduktionen für mehrere Plattformen bereitzustellen. Notwendig werden aufwändige Portierungen. Das deutsche Entwicklerstudio exDream Entertainment hat sich deshalb Gedanken gemacht und veröffentlicht mit der “Delta Engine” ein Grundgerüst, das aufwändige Portierungen überflüssig macht und alle wichtigen Plattformen von Haus aus unterstützt. Doch populäre Spiele gab es auf Basis solcher Engines bislang noch nicht.

Benedikt Grindel (Ubisoft) hat den Trend ausgemacht, dass Entwickler immer häufiger die Spieler in die Spiele-Produktionen einbeziehen
Möchte man von angekündigten Neuerungen berichten, dann sind es allenfalls die Online-Spiele: Ubisoft lud etwa zu einem “Roundtable” ein, um davon zu berichten, dass sie bei ihren Spielen die Community inzwischen so oft in die Entscheidungswege bei Spieleproduktionen einbinden wie bislang noch nie. Benedikt Grindel, der durch Siedler bekannt gewordene Leiter für “Live Operations” bei Ubisoft, lies sich den Satz entlocken: “Wir kommunizieren ständig mit den Spielern”, quasi jede Minute. Vorteile sind, dass Änderungen in den Spielen sehr schnell umgesetzt werden können. Mussten die Gamer auf neue Funktionen bislang mindestens ein bis zwei Jahre warten, bis eine neue Version des Spieles veröffentlicht wurde, können Anregungen heutzutage in mehreren Tagen bis wenigen Wochen integriert werden. So genannte Packshots, also die Hüllen um die Spiel-DVDs, könnten folglich demnächst der Vergangenheit angehören. Der Download ganzer Spiele via Plattformen wie Steam wird zum Standard.
In diesem Punkt warf die gamescom jedoch mehr einen Blick in die Zukunft anstatt die Gegenwart zu beschreiben. Vielleicht, das ist eine kleine Hoffnung, wird die gamescom 2012 noch etwas mehr Spannung und Spiel beinhalten. Um es mit den Gamern als kleine Kinder zu halten: Man kann sich für Geschenke stark interessieren, findet sie aber irgendwann öde, weil man etwas Neues haben möchte. Die Gefahr besteht, denn ob sich noch jemand für Battlefield 6 oder FIFA 2020 bei gleichbleibenden Spieleprinzip interessieren wird, das darf zumindest angezweifelt werden.
gamescom 2011 – ein fotografischer Rückblick
18. August 2011
Bereits seit 2006 besuche ich die europäische Leitmesse für Computer- und Videospiele als Medienvertreter. Hieß sie zuerst “Games Convention” und errang in Leipzig große Bekanntheit, gastiert die Messe seit 2009 jedes Jahr unter dem neuen Namen “gamescom” in Köln. Früher für ein tagesaktuelles Online-Medium tätig, konnte ich dieses Jahr als akkreditierter Journalist für ein Print-Magazin etwas gediegener angehen lassen und präsentiere wie folgt zwölf Fotos der ersten beiden Messetage.

Vom 17. bis zum 21. August 2011 findet die gamescom in Köln statt

Besucher dürfen erst ab zehn Uhr die “heiligen Hallen” betreten

Der erste “Consumer”-Tag war der Messedonnerstag, mittwochs war Fachbesuchertag

Die Medien filmen und fotografieren traditionell den Einlass der Messebesucher

Der große Ansturm war jedoch umsonst, es waren zwar massig Messebesucher vor Ort, jedoch blieb der aus Leipzig bekannte “Run der Horden” in die Hallen aus

Über 300 Neuheiten wurden in Köln präsentiert, das Anspielen hunderter Titel wurde von den Gamern stark genutzt – wie hier Trackmania: Canyon

Messestände sind vor allem dann beliebt, wenn auf den Bühnen (hier: NCSoft) viel los ist

Bei der “Electronic Sports League” (ESL) wurden Live-Partien der eSports-Profi gezeigt

Wer die Toptitel (Battlefield 3, Diablo 3, FarCry 3, StarCraft 2) anspielen möchte, muss viel Zeit mitnehmen, bei Diablo 3 waren Wartezeiten von 2-3 Stunden üblich

Auch Messehostessen dürfen freilich nicht fehlen

THQ lies sich für eines ihrer (eher sinnlosen) Spiele etwas ganz Besonderes einfallen und die “Penthouse Pets” aus den Vereinigten Staaten einfliegen

Tausende Besucher waren bereits am ersten Publikums-Messetag gekommen
Ein Abend als Twitter-Reporter
14. Juli 2011
Twitter ist ein tolles Medium. Nicht nur, dass es in diesen Tagen fünf Jahre alt geworden ist und damit zeigt, dass es ob seiner Belietbheit keine Eintagesfliege ist. Vor allem öffnet es neue Tore für jene, die wie ich Spaß daran haben, auf dieser Plattform etwas zu schreiben.
Als begeisteter Fußballzuschauer, der auch unseren Mädels die Daumen drückte, besuchte ich vergangene Woche das Spiel Äquatorial-Guinea gegen Brasilien in Frankfurt und bewarb mich bereits vorher bei der “Frankfurter Neue Presse” als so genannter Twitter-Reporter. Dahinter steckt eine von Weber Shandwick betreute Kampagne der Deutschen Telekom. Pro Spiel werden sechs Twitterer gesucht, die über den Account “Herzrasen11” berichten. Die Telekom arbeitet dabei mit regionalen Zeitungen zusammen, wovon jeweils zwei Medien pro Spiel drei Reporter schicken dürfen. Einer der drei Teilnehmer pro Spiel und Zeitung kann zudem ein Sony Ericsson Xperia gewinnen – im Übrigen das Smartphone, mit dem jeder Twitter-Reporter während seines Einsatzes arbeiten darf.

@molschewski und ich (die dritte Kollegin kam etwas später hinzu), Foto: Herzrasen11
Für das Halbfinale Japan gegen Schweden bekam ich nun die Möglichkeit, einer der “Glücklichen” zu sein. Unsere Betreuerin gab uns zwar ein, zwei Aufgaben, worüber wir twittern sollten, ansonsten hatten wir relativ große Freiheiten. Man regte lediglich an, neben allgemeinen Informationen wie den aktuellen Spielstand Emotionen und Geschichten aus dem Stadion aufzusaugen. Der Vorteil dabei war, dass wir direkt im Fanblock saßen und Zuschaueremotionen direkt mitbekommen konnten. Nachteilig: Mit einer Presse-Akkreditierung ist man näher am Spielgeschehen dran, darf vllt. in der Mix-Zone mit Spielern sowie den Verantwortlichen kurze Gespräche führen und vor allem Fotos vom Spielfeld schießen, was uns leider über den “Herzrasen11″-Account nicht erlaubt war.
Im Folgenden eine chronologische Auflistung aller meiner Tweets, die unter “Herzrasen11″ mit dem Kürzel “fs” zu lesen sind:
- Auf der Buhne vor dem Stadion wird “Ich will Spaß“ von Markus gecovert – den haben wir!
- Politischer Tipp: Hessens Umweltstaatssekretär Weinmeister inkognito getroffen, er glaubt an ein 2:1 für Japan
- Männliche Zuschauer im Fanblock sind etwas zurückhaltend, befragt nach ihren Erwartungen: “Einer wird gewinnen”
- Das obligatorische “Heidelsheim”-Banner auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund darf hier im Stadion auch nicht fehlen
- Erste Laola-Welle auf den Oberrängen verlief im Sande, zweiter Versuch klappt
- Tor für Schweden. überschwinglicher Jubel im Stadion
- Reporter-Kollege von der @rheinzeitung hat sich Spickzettel mit Infos über die Mannschaften mitgebracht, sehr schlau ;)
- Wo kommen plötzlich die weißen Flaggen mit roten Punkten alle her? Japan gleicht aus, 1:1
- Kommentar aus dem Fanblock: “Wie die mit ihren kurzen Füßen flitzen tut, sagenhaft”
- Unser Arbeitsgerät: http://yfrog.com/ki21545366j
- Gefühlt erhöht sich derzeit die Fehlerquote im Spiel
- Wir wollen ja keine Vorurteile bedienen, aber auffällig viele Japaner sind mit Fotoapparaten ausgestattet
- Kolleginnen helfen den kleinen Fans bei Fragen: http://yfrog.com/klutdwij :)
- Junger schwedischer Fan ist optimistisch, dass es ihre Mannschaft noch mit einem Sieg in das Finale schafft
- Publikum besteht im Vergleich zu normalen BuLi-Spielen deutlich aus mehr Familien, tut der Stimmung aber keinen Abbruch
- Japan geht erstmals in Führung durch einen Abwehrfehler, 2:1
- Und das 3:1 für Japan, wieso geht die Schwedin auch so weit aus dem Tor?
- Zeitspiel der japanischen Torhüterin wird gnadenlos vom Publikum ausgepfiffen
- Schweden machen einfach zu viele Fehler, Japan konnte das bereits dreimal erfolgreich und inzwischen verdient ausnutzen
- Verdienter 3:1-Sieg für Japan, die Asiatinnen haben heute großen Respekt verdient. Schwedische Fans gehen enttäuscht heim
- Japanerinnen bedanken sich per Banner für die Unterstützung der Fans. Okay, die Pfiffe waren erwartbar
- Hat Spaß gemacht, an dieser Stelle sagt @frederics ein Dankeschön bei allen Lesern für die Aufmerksamkeit
Hinterher kann man sagen, hätte Thessa nur das eine Kreuzchen gemacht, den einen Haken bei Facebook gesetzt – uns wäre sehr viel erspart geblieben. So genannte “Facebook-Veranstaltungen” sind in aller Munde, und wie wir es gewöhnt sind, gab es auch schon erste Verbotsforderungen.
Facebook, das trotz Google+ unangefochtene soziale Netzwerk Nummer 1, ist auch deshalb beliebt, weil man sehen kann, wer heute, morgen und übermorgen Geburtstag hat, oder welche Veranstaltungen als nächstes anstehen. Jeder Facebook-Nutzer kann Veranstaltungen erstellen und Gäste hierzu einladen. Das System unterscheidet dabei zwischen öffentlichen und privaten Veranstaltungen. Letzteres hat den Vorteil, dass es niemand sieht außer jener, der eine Einladung erhalten hat. So etwas macht beispielsweise Sinn, wenn ein Nutzer zu seinem Geburtstag via Facebook einladen möchte.
Die bereits erwähnte Thessa vergaß jedoch das Häkchen bei “Jeder kann die Veranstaltung sehen und für sie zu-/absagen (öffentliche Veranstaltung)”. Ein folgenschwerer Fehler, tausende Menschen sagten daraufhin zu, letztendlich kamen rund 1.600 Jugendliche, um “gemeinsam” mit der damals 15-Jährigen zu feiern. Thessa zog längst die Reißleine, sagte ihre Feier ab, ihre Eltern mussten einen privaten Sicherheitsdienst organisieren, die Polizei nahm randalierende Jugendliche fest.
Dies mag ein extremes Beispiel sein, die Regel ist es freilich nicht. Die Innenminister der Länder hat dies nun jedoch auf die Tagesordnung gerufen, ein Verbot von “Facebook-Veranstaltungen” zu fordern. Im Prinzip soll es folgendermaßen aussehen:
- Ein Facebook-Nutzer erstellt eine (bewusst oder unbewusst) öffentliche Veranstaltung
- Es sagen sehr viele Menschen zu und vor allem solche, die man eigentlich gar nicht eingeladen haben wollte
- Der Facebook-Nutzer bemerkt, dass ihm das Ruder aus der Hand läuft
- Irgendwo an dieser Stelle weiß die Polizei davon und schaut sich die Sache nun an. Wenn die “öffentliche Ordnung” in Gefahr ist, will man die Veranstaltung verbieten
Ein anderer Vorschlag kommt vom nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD). Er stellt sich vor, dass ab einer gewissen Anzahl an Zusagen die Veranstaltung auf Facebook einfach gesperrt wird. Er möchte dazu mit den Betreibern der sozialen Netzwerke Kontakt aufnehmen.

Folgenschwerer Fehler: Mit einem Häkchen kann man Veranstaltungen auf privat schalten, sonst kann jeder für die Veranstaltung zusagen
Was sich, wie viele Vorschläge der Innenpolitiker, auf dem ersten Blick ganz in Ordnung anhört, hat in der Praxis folgende Probleme:
- Wir leben nicht in einer Verbotsgesellschaft, wie auch Henrik Bröckelmann völlig zurecht bemerkt
- Zweifel ich erheblich daran, dass sich viele Menschen davon beeindrucken lassen oder es überhaupt erfahren, wenn eine Facebook-Veranstaltung von der Polizei abgesagt wird
- Es gibt auch Veranstaltungen, die kalkuliert davon leben, dass tausende Teilnehmer zusagen
- Naiv wäre es zu glauben, dass sich Facebook als US-amerikanisches Unternehmen vom Vorstoß des SPD-Innenministers beeindrucken lässt und gegen seine Prinzipien eine Sperrfunktion einbaut
- All dies verhindert auch nicht, dass ggf. weitere Veranstaltungen auf Facebook mit dem selben Thema erzeugt werden
Um die gesamte Problematik zu lösen, gibt es zwei Wege:
- Man nimmt das Thema mit Humor, was natürlich voraussetzt, dass man kein 15-jähriges Mädchen ist, das mit der gesamten Situation überfordert ist und es nicht so cool findet, wenn zig tausende Menschen nun wissen, wo man wohnt
- Der Königsweg: Medienkompetenz. Indem jeder Nutzer bei der Veranstaltungserstellung schon weiß, was es für Folgen haben kann, wenn er eine öffentliche Veranstaltung erzeugt (was ja gewollt sein kann), und er im Zweifel lieber das Häkchen bei privaten Veranstaltungen macht, entstehen solche Probleme erst überhaupt nicht
Leider sind die Innenminister auf solche Ideen noch nicht gekommen.
Erster Eindruck von Google+
1. Juli 2011
In diesen Tagen ist Google+ online gegangen. Hinter dem Namen verbirgt sich der neueste Coup des kalifornischen Unternehmens, das mit seinem eigenen sozialen Netzwerk dem Branchenprimus Facebook den Rang ablaufen möchte. Obgleich sich Google+ noch in der Beta-Phase befindet und lediglich “eine kleine Gruppe” Zugriff zum Testen bekommen soll, startete in den vergangenen 24 Stunden das große Rennen auf einen Zugriffsaccount. Möglich wurde das über einen kleinen Trick, der womöglich aber bewusst von den Entwicklern ermöglicht wurde, um das Interesse an der Plattform zu schüren. Dies ist schon einmal gelungen. Wie macht sich der Rest?

“Stream” von Google+
Als ich ein erstes Bildschirmfoto via Facebook verbreitete und Google+ als potentielle Konkurrenz benannte, lautete der erste Kommentar eines meiner FB-Freunde: “Sieht genauso aus (wie Facebook), irgendwie.” In der Tat: Der “Stream” (auf Facebook: “Neuigkeiten”) ist ähnlich aufgebaut, chronologisch mit den neuesten Meldungen ganz oben auf der Seite, die kommentiert und “geliked” werden können. Bei Google+ gibt es hierzu einen “+1″-Button. Jedes Mitglied von Googles neuester Plattform hat die Möglichkeit, einen Status zu erstellen, kann darin, ebenfalls wie bei Facebook, Personen direkt verlinken, Links anfügen, Bilder oder Videos hochladen. Auch die Profildaten sind nichts Besonderes.
Besonders an Google+ ist dafür Mehreres:
- Die Circles. Diese Kreise gibt es zwar bei Facebook ebenfalls, sie nennen sich dort Listen, doch kennt sie kaum jemand . Es ist möglich, den Stream eines Nutzers zu abonnieren, indem man ihn per Drag & Drop, d. h. per Ziehen mit der Maus, in einen solchen Kreis zieht, der beispielsweise “Familie”, “Freunde” oder “Kollegen” heißen kann. Nutzer in solche Kreise einzusortieren ist zwingend notwendig, Freundschaftsanfragen oder ähnliches kennt Google+ nicht. Diese Kreise sind in zwei Richtungen interessant:
- Privatsphäre: Google+ geht standardmäßig davon aus, dass der Nutzer seine Beiträge nicht mit allen Menschen teilen möchte, sondern nur bestimmten Zielgruppen. Es fragt bei jedem zu teilenden Status vorher ab, an welche Zielgruppe, sprich an welchen Kreis die Meldung gerichtet sein soll. Es ist so möglich, einen Status nur für die Familie zu schreiben, oder an alle Kontakte in den Kreisen, außer an die “Kollegen”. Natürlich kann ein Status auch auf “öffentlich” gestellt werden, d. h. auch Nicht-Mitglieder von Google+ können ihn sodann lesen. Diese Möglichkeiten stehen zwar theoretisch auch Nutzern von Facebook zur Verfügung, nur weiß dies kaum jemand oder es ist zu wenig pragmatisch gelöst.
- Lesen: Klickt der Nutzer auf “Stream”, kann er die neuesten Meldungen aller Nutzer lesen, die er in seine Kreise eingeteilt hat. Es ist auch möglich, einzelne Kreise aufzurufen. Hat man bspw. einen Circle mit der eigenen Fußball-Mannschaft erstellt, kann man so sehr gut die Meldungen aus dieser Zielgruppe unproblematisch herausfiltern.

Blick auf die Circles
- Die Sparks. Den praktischen Nutzen habe ich zwar noch nicht ganz enträtselt, die Idee ist jedoch, für ein bestimmtes Thema Meldungen aus dem Internet zu sammeln und gefiltert aufzurufen. Wer Meldungen von seinem Lieblingsverein auf einem Blick haben möchte, findet hier was er sucht. Die Ergebnisse ähneln einer Suche bei “Google News”.
- Eine effiziente Applikation für Smartphones. Gibt es bislang zwar erst für das Android, die iPhone-Nutzer müssen sich noch etwas gedulden. Als Android-Nutzer konnte ich mir bereits ansehen, was Google so gebastelt hat. Mein erster Eindruck ist, dass die App für Google+ nicht nur sehr übersichtlich gestaltet wurde, sondern auch sehr schnell ist. Auch via Smartphone kann ich sehr viel mit den Circles arbeiten. Besonders toll finde ich die Geolokalisierungsfunktionalität. Ich als Nutzer entscheide darüber, ob die exakte Adresse angezeigt wird, wo ich mich befinde, ggf. der Gebäudename (Beispiel: Eifelturm) oder nur der Stadtname. Dies hat nicht nur einen praktischen Nutzen, sondern ist auch ein Angebot an die Kritiker, die Geolocation-Dienste aus Privatsphäre-Gründe kritisieren. Es ist nicht immer sinnvoll, seinen exakten Standort anzugeben. Alles in allem: Im Gegensatz zu bisherigen Projekten hat Google verstanden, dass man zum Start direkt eine gute App für Smartphones benötigt und dies nicht erst nach Wochen nachliefern darf.
- Implementierung bisheriger Dienste. Google lebt freilich davon, dass es sehr viele Produkte anbietet und dadurch ein Monopol erreicht. Dies bietet für die Nutzer aber auch einige Vorteile, beispielsweise, dass sich “Buzz” direkt einfügen lässt. Oder wer kann schon auf die Erfahrungen von Picasa zurückgreifen, Googles Fotodienst? Auch hat Google Funktionalitäten aus anderen Produkten implementiert, etwa den Chat von “Google Talk”, wie er auch bei “Google Mail” integriert ist. Großer Vorteil: Ich habe auf meinem Smartphone nicht ein weiteres Chatsystem wie bei Facebook, sondern setze einfach mehr auf die bereits installierte “Google Talk”-App. Heute haben mich zwei neue Freunde darüber angeschrieben.

Fotoalbum: Gekonnte Implementierung dank Picasa
Freilich gibt es bei Google+ auch einige offene Fragen, die meisten werden sich in den nächsten Wochen und Monaten aus der Praxiserfahrung beantworten. Ein Tag Google+ ist zu früh, um ein abschließendes Urteil abzugeben. Der Erfolg von Google+ wird sich alleine daran messen, wie intensiv sich die Nutzer auf diese neue Plattform stürzen. So ein großes Interesse wie an Google+ habe ich jedoch weder bei Buzz noch bei Google Wave erlebt. Auch scheint Google bei “Google Plus” aus alten Fehlern gelernt zu haben. Google ist erwachsen geworden. Google+ wirkt als das modernere Facebook: Es kann das gleiche, nur besser, könnte man nach den ersten Minuten als neuer Nutzer von Google+ denken. Ungeklärt sind jedoch Fragen beispielsweise wie Marken sich dort präsentieren können. Facebook profitiert auch davon, dass Prominente, Sänger, Fußballer und auch Politiker dort präsent sind. Google+ scheint für solche Kunden noch nicht optimiert zu sein. Google+ ist zudem werbefrei: Die Frage lautet, ob dies mittel- oder langfristig so bleiben kann. Zu guter letzt: Was lernt Facebook vom Google-Erfolg, wie reagiert es? Es wird sich verändern, aber es wird auch seine Linie halten müssen. Eine anscheinend kurzfristig gebastelte und heute stark beworbene Circles-Erweiterung für Facebook von Fans erscheint mir zumindest als die falsche Antwort.
Berlin ist nicht die Welt
27. Juni 2011
Um direkt den möglicherweisen falschen Eindruck des Titels zu verwischen: Berlin ist eine schöne Stadt. Nein, es geht nicht um die Menschen in unserer Hauptstadt, um den schönen Tiergarten, die große Geschichte und die Bauten zwischen Spree und Fernsehturm. Viel mehr geht es in diesem Artikel um den beschränkten Blick manches Journalisten.
Aber der Reihe nach.
Am Sonntag begann die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Eine große Chance nicht nur für unser Land, uns nach 2006 als gute Gastgeber zu präsentieren, sondern auch für unsere Mädels, das Triple zu holen und nach 2003, 2007 erneut Weltmeister zu werden. Sie hätten es sich verdient. Obgleich sich der Frauen-Fußball noch in der Entwicklung befindet, findet er immer mehr Anhänger, und das nicht erst seitdem am Sonntag rund 73.000 Menschen im Berliner Olympiastadion ihre Spielerinnen anfeuerten. Spätestens als zehntausende Fans 2007 auf dem Frankfurter Römer standen und unsere Frauen mit dem Pokal empfangen, hat Fußball-Deutschland auch die Mannschaft um Trainerin Silvia Neid ins Herz geschlossen.
Verschiedene Medien haben das Thema in letzter Zeit aufgegriffen. Längst hat es zwar noch keine Dimensionen wie bei den Männern erreicht; dass ARD und ZDF alle Spiele der Weltmeisterschaft live zeigen, und nach dem Sonntag-Spiel gegen Kanada die Nachrichtenagenturen Eilmeldungen verschickten, was spätestens jeden noch so verbohrten Zeitungsredakteur am Schreibtisch wachrüttelte, zeigt, wie sehr die Nachfrage da ist.
SPIEGEL ONLINE, das Leitmedium im Internet schlechthin, hat sich der Berichterstattung ebenfalls angeschlossen und berichtete auffällig viel über das erste Gruppenspiel gegen Kanada. Erstaunt blickte ich, umso später es am Sonntagabend wurde, auf einen Artikel mit der Überschrift: “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden”. Dort tut Nora Gantenbrink für SPIEGEL ONLINE Kund, was sie am Abend in Berlin erlebte, und das scheint sie doch recht unzufrieden gemacht zu haben. Sie hat folgende Szenen beobachtet:
Die großen Pilgerströme hin zu den Public-Viewing-Plätzen von grölenden Menschen in Schwarz-Rot-Gold-Weiß bleiben in der Hauptstadt bislang aus. Hinter den Menschen auf den Bierbänken trödeln Touristen lang, nebenan pokert ein Männerquartett konzentriert vor einer Dönerbude. Die vorbeifahrenden Wagen sind Deutschlandfahnen-frei.
Warum das so ist, diese Antwort liefert sie uns gleich mit:
Es gibt keine Fanmeile am Brandenburger-Tor, keinen Party-Sammelpunkt, aber ein paar Kneipen (…).
Auch der obligatorische Männerfußball-Vergleich darf bei Nora Gantenbrink nicht fehlen:
An dem Tag, an dem das Sommermärchen in Deutschland begann, sah man kaum ein Fahrzeug ohne Deutschlandflagge, während der Spiele waren die Supermärkte und Straßen leer, und Deutschland versank außerhalb von Fernsehgeräten, dem Stadion und Public-Viewing-Plätzen in einen Dornröschenschlaf. Aber Frauen- und Männerfußball vergleichen, das gilt generell als verpönt (…).
Schließlich zitiert sie noch jemanden aus einer Fußball-Bar, der ihr die tolle Überschrift “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden” für ihren Text schenkte. Dem Mann, er soll Moritz heißen, ist zu danken. Damit hätte sie eigentlich schon alles sagen können. Ansonsten wäre eventuell noch folgendes interessant gewesen:
- In Frankfurt am Main am Mainufer waren 15.000 Menschen beim Public Viewing, mehr haben nicht auf das Gelände gepasst
- Rund 10.000 Menschen waren während der Deutschland-Partie in Mönchengladbach dabei
- 3.000 Menschen kamen nach Sinsheim zum Public Viewing
- In Offenburg waren es immerhin 1.000 Besucher
- Zu guter Letzt titelt die Deutsche Presse-Agentur: “Fangemeinde explodiert: Frauenfußball plötzlich in” (dort ist auch die Rede von gut 100.000 Besuchern beim “Ballzauber” zur Frauen-WM am Samstagabend in Frankfurt am Main)
Aber das scheint die Dame von SPIEGEL ONLINE ja nicht zu interessieren. Für sie scheint Berlin der einzige Gradmesser für die Stimmungslage in Deutschland zu sein. Schade.
Zwischen Sessions und Berlin
6. Juni 2011
Das politcamp11 ist das Treffen der Netzpolitiker Deutschlands. In diesem Jahr fand die zweitägige Veranstaltung in der Bundesstadt Bonn statt. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.
Gutes Ding will Weile haben. Das politcamp und ich waren bislang zwei Seiten, die miteinander wollten, aber der eine hatte nie Zeit, so weit gen Nordosten nach Berlin zu reisen, wo das politcamp sonst stattfindet. So blieben mir meist nur der Live-Stream, das 140 Zeichen-Rauschen via Twitter und vor allem die Erzählungen anderer. In diesem Jahr habe ich es nun endlich geschafft, wenn auch nur einen Tag, das politcamp zu besuchen.
Vorweg gegangen war eine nicht ganz zweistündige Autofahrt nach Bonn, in die “Charles de Gaulle”-Straße, was auf Google Maps irgendwie nach Industriegebiet aussah und sich vor Ort als mondäne städtebauliche Leistung entpuppte. Gelegen am Rhein, verkehrsberuhigt, und anscheinend wichtig. Den Weg zum “Alten Wasserwerk”, das von 1986 bis 1992 als Plenarsaal des Deutschen Bundestages diente, fand ich ganz ohne Navigation, den ersten “Politcamper” erkannte ich an den grau-hellblauen Ausweisen – etwas überdimensioniert, genau deshalb aber auch von weitem erkennbar. Detektivmäßig folgte ich ihm den dreiminütigen Fußweg, bis ich auf das erste bekannte Gesicht stieß. Etwas unbeholfen meldete ich mich am Tagungsschalter an, wurde kurz vom Chef persönlich begrüßt und überquerte dann die Türschwelle in den Plenarsaal, wo ich hunderte Sitzplätze sah – gefühlt die Hälfte davon besetzt. Vorne ein Podium mit Diskutanten, die sich über das Thema „Netzpolitik international“ austauschten. Darunter vor allem Mitarbeiter der “Deutschen Welle” (DW), was etwas koscher ist, da die DW zugleich einer der Hauptsponsoren war. Allerdings sollte dies nicht unbedingt negativ auffallen.
Im Zweifel für die Freiheit
Die Diskussion war geprägt von unterschiedlichen Sichtweisen verschiedener Kontinente. Der chinesische Vertreter berichtete besonders davon, dass es keine wirkliche Freiheit in China gebe, und der Vertreter aus dem Iran, Mahmood Salehi, wies auf den Umstand der örtlichen Zensur hin, was sich aber vor allem auch in langsamen Internet-Verbindungen auszeichne. Er erzählte von einem iranischen Oppositionellen, der mit seinem Twitter-Account immer wieder neu starten müsse und jedes Mal, wenn die iranische Zensur ihn auf die schwarze Liste nahm, eine Zahl am Ende seines Twitter-Namens addiere. Zuletzt war es die Zahl 17. Dies war ein sehr einfaches, aber meines Erachtens bezeichnendes Beispiel, wie stark die Zensur in solchen Regimen, aber zugleich wie hartnäckig und mit einem langen Atem ausgestattet die demokratisch(er) denkende Opposition ist. Aus Lateinamerika lernten wir, dass die dort handelnden politischen Akteure das Internet sehr stark nutzen, teilweise auch für kontroverse Diskussionen mit der berichterstattenden Presse. In anderen Ländern wie Bolivien sind Internet-Verbindungen jedoch auch sehr teuer, Lateinamerika leidet zum Teil unter der so genannten “digitalen Spaltung”.
Höhepunkt des #pc11-Sonntages war gewiss die Diskussionsrunde zur Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” im Deutschen Bundestag. Das Podium war mit Vertretern aller Fraktionen im Bundestag besetzt, was auch die Relevanz des politcamp11 deutlich machte, zugleich aber auch demonstrierte, dass in der Enquete-Kommission vor allem junge Politiker mitarbeiten und gestalten sollen, die in ihrer ersten Bundestags-Legislaturperiode sind. Was die Enquete-Kommission tue, wäre, so Peter Tauber MdB (CDU), vor allem auch Aufklärungsarbeit bei den eigenen Leuten. Wenn sie mit netzpolitischen Ideen in der Fraktion konfrontiert werden, würde dies neue Diskussionen anstoßen, die bei dem einen oder anderen auch zum Umdenken führt. So schreiben sich die jungen Netzpolitiker, zuvorderst die der FDP, auf die Fahne, die umstrittenen “Internet-Sperren” erfolgreich gekippt zu haben.

(v. li.:) Moderator und Vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer, Manuel Höferlin MdB, Peter Tauber MdB. Foto: politcamp / Martin Köster
Für die hohen Erwartungen der Netz-Community scheint dies jedoch noch viel zu wenig zu sein. Die Wortmeldungen beim politcamp11 waren primär von Skepsis gespickt, dass die Enquete-Kommission eine große Show, aber am Ende ohne handfeste Ergebnisse sei. Peter Tauber & Co. argumentierten, Politik sei das Bohren von harten Brettern, und deshalb ein Prozess, der viel Ausdauer bedeute.
Dass sie etwas bewegen, da waren sich jedoch alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. In den diversen Enquete-Projektgruppen, bei denen es unter anderem um tagesaktuelle Fragen wie den Datenschutz geht, konnten einige konsensuale Beschlüsse für den in diesem Jahr auszufertigenden Zwischenbericht gefasst werden. Im Anschluss an den Zwischenbericht plant die Enquete-Kommission die tagesaktuelle Debattenschiene zu verlassen und sich visionärer der Netzpolitik zu nähern. Was Lars Klingbeil MdB (SPD) dazu verleitete, an das Ende der Enquete-Kommission zu denken und zu fordern, einen ständigen Ausschuss “Netzpolitik” einzurichten, der etwa auch Aufgaben des Innenausschusses übernehmen könnte. Denn Netzpolitiker könnten besser über Fragen wie die Vorratsdatenspeicherung entscheiden als rechtspolitisch denkende Innenpolitiker, so die Argumentation. Manuel Höferlin MdB (FDP) und Peter Tauber sehen die Netzpolitik jedoch vielmehr als Querschnittsthema, wozu man keinen einen Ausschuss einrichten könne, sondern stattdessen Netzpolitiker in den wichtigen Ausschüssen sitzen müssten.
Netzgemeinde fordert selbstbewusste Abgeordnete
Viel Lob gab es indessen für alle fünf Podiumsteilnehmer, sich am Sonntagmorgen dem politcamp11 zu stellen. Zugleich appellierten manche Zuhörer an das Selbstbewusstsein der Parlamentarier, was sich zuletzt bei der Einführung von “Adhocracy” zeigte, ein onlinebasierendes Werkzeug, um den so genannten “18. Sachverständigen” (ergo alle interessierte Bürger) in die Enquete-Kommission besser einzubinden. Das Projekt stieß auf viel Widerstand der öfters sehr schleppend denkenden Bundestagsverwaltung. Inzwischen ist das Werkzeug zwar implementiert, erfreut sich aber kaum Interesse. Dies liegt neben der fehlenden Bekanntheit auch an den wenigen dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen. Ein politcamp11-Teilnehmer sagte, die Parlamentarier sollten sich von ihrer Verwaltung einfach das nehmen, was sie für ihre Arbeit brauchen. Ein anderer warb dafür, die Bürger dort abzuholen, wo sie sich befinden und dies wäre nicht eine dezentrale Plattform auf den Bundestags-Servern. Welche Plattformen er damit konkret meinte, sagte er nicht, gemeint sind wahrscheinlich soziale Netzwerke wie Facebook.
Die dritte Diskussionsrunde hatte den wissenschaftlich-anmutenden Titel “Partizipation und Community Management. Nutzen Parteien den Rückkanal?”. Die Moderation übernahm Alexander Kurz. Mit dem Thema war vor allem gemeint, welche Chancen es Politikern bietet, das Internet für die eigene politische Arbeit zu nutzen, und was der Unterschied auf den verschiedenen Ebenen ist. Dass etwa die Einbindung von Bürgern über das Netz auf kommunaler Ebene zwecks eventuell gar nicht vorhandener Infrastruktur viel schwieriger zu gestalten ist als ein Bundestagsabgeordneter, der nur ein, zwei Statusmeldungen schreibt und wahrscheinlich direkt Meinungen dazu kommentiert bekommt, wie es Andreas Jungherr beschrieb.

Die Politcamper. Foto: politcamp / Martin Köster
Im Anschluss verlies das politcamp11 das “Alte Wasserwerk” und lief – nach einer Pause, die einige für einen Abstecher zum McDonalds nutzten – weiter im benachbarten Gebäude der „Deutschen Welle“. Die DW hat sich einen wahren Prachtbau, ganz in Weiß gehalten und hübsch angelegt eingerichtet. Hier fand samstags und sonntags das BarCamp statt. Dieser Begriff bedeutet, dass zu Anfang ein so genannter „Sessionplan“ erstellt wird: Jeder Teilnehmer kann Vorschläge für ein von sich gehaltenes Referat (eine Session) einbringen, darüber wird demokratisch abgestimmt und dann auf verschiedene Räume verteilt. Insgesamt gab es am Sonntag zwei Zeitkorridore, und Sessions, die sich entweder auf die Enquete-Kommission beziehen oder mit aktuellen Themen beschäftigen. Jemand hielt eine Session zum Thema #spanishrevolution, was die Umbrüche auf der iberischen Halbinsel beschreibt, eine andere hatte den Namen “Kollaboratives Ministerstürzen”, wo Bezug genommen wurde auf die Internet-Nutzer, die die Doktorarbeit von zu Guttenberg analysierten und darin Plagiatsstellen fanden. Abgerundet wurde das Angebot etwa von selbsternannten “Social Media Experten”, die ihre Begeisterung für Projekte wie Foursquare in Power Point-Präsentationen packten. Höhepunkt (sinngemäß): “Ich habe mir eine Erweiterung aktiviert, die mir jeden Tag mitteilen kann, was ich heute vor einem Jahr getan habe. Das finde ich ganz toll!”
Twitter als das neue Posiealbum
Randnotizen:
- Das politcamp11 ist neben der informativen Komponente in Diskussionen und Sessions vor allem ein Netzwerk-Treffen. Entweder man kennt sich von Twitter und sieht sich nun “real life”, oder man lernt sich “real life” kennen und folgt sich im Anschluss auf Twitter. Auf den Ausweisen wurde entsprechend unter dem (realen) Namen des Tagungsteilnehmers auch eine Position “Twitter” eingefügt, wo Jedermann seinen Twitter-Screennamen eintragen konnte. Ich habe zumindest niemanden gesehen, der dieses Feld nicht ausfüllte.
- Viele Sozialdemokraten waren beim politcamp11. Sie nutzten die Plattform, um einen netzpolitischen Neustart zu wagen. Das wurde auch innerparteilich kritisiert, da das politcamp zwar eine politische, aber eine überparteiliche Veranstaltung ist. Umso weniger Piraten waren erkennbar, was vielleicht statistisch anders sein mag, aber sie fügten sich gut in das Bild ein und pochten ganz und gar nicht auf die sonst so beschwörte Sonderrolle, die ihr als außerparlamentarische Opposition unter drei Prozentpunkte nicht einmal beim Wahl-Balken von ARD und ZDF zusteht.
- Etwas befremdend empfand ich, wie der eine oder andere seinen Lebensstil im altehrwürdigen – ohne stocksteif klingen zu wollen – “Alten Wasserwerk” ausbreitete, einfach mal seine Käsefüße neben mir auszog und auf den Stuhl vor sich lehnte. Auch dachte ich in einem Moment, ein Sascha Lobo-Double wäre hier. Frisurentechnisch war der eine oder andere schräge Typ beim #pc11.
Alles in allem war das politcamp11 eine interessante Erfahrung, die Spaß bereitet und Lust auf mehr gemacht hat. Ob das politcamp und ich nur ein einmaliges Stelldichein hatten, oder ob es zu einem zweiten Treffen kommt, mag womöglich nur davon abhängen, wo es 2012 stattfindet. Manche haben Brüssel ins Spiel gebracht. Das ist nicht ganz so weit weg wie Berlin.