Gestern hat der US-Konzern “Google” eine Kampagnenseite zum Leistungsschutzrecht (LSR) freigeschaltet. Darin werden unter anderem zehn Argumente gegen die Einführung des LSR aufgerührt. Die Medien hierzulande reagieren überwiegend empört und greifen “Google” an – unter anderem die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ), die ich momentan als Abo beziehe. Wie folgt dokumentiere ich mein heutiges Schreiben an die FAZ als offenen Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Unverständnis habe ich heute Ihre Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht gelesen. Sie berichten darin sehr eindeutig einseitig über die Meinung der Deutschen Zeitungsverleger und verurteilen die gestern gestartete Google-Kampagne ziemlich deutlich als unmoralisch. In Ihren drei (!) Artikeln kommt in keinem einzigen die Meinung von Google als Gegenseite vor. Das finde ich journalistisch sehr fragwürdig und wäre einer Prüfung durch den Deutschen Presserat würdig. Sie werfen im Besonderen in Ihrem Artikel Google vor, seine Machtstellung für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Daher frage ich mich: Was ist das, was Sie machen? Während bei Google auf der Kampagnen-Seite zumindest noch jeder weiß, dass hier jemand mit offenem Visier für seine Zwecke streitet, nutzen Sie das Visier des “unabhängigen Journalismus”, um für Ihre Ziele zu werben. Das ist der journalistischen Institution FAZ nicht würdig.

Da ich nicht weiter bereit bin, für solch ein journalistisches Geschäftsmodell Geld zu bezahlen – was mir gewiss nicht einfach fällt, da Ihre Berichterstattung ansonsten sehr gut ist –, möchte ich hiermit mein Abo der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum schnellst möglichsten Zeitpunkt kündigen. Bitte bestätigen Sie mir meine Kündigung.

Mit freundlichen Grüßen,
Frederic Schneider

Lesenswert: Stefan Niggemeier über die aktuelle Diskussion

8 Kommentare zu “Leistungsschutzrecht und FAZ-Abo”

  1. Christian sagt:

    Ob man gleich kündigen muss, ist die Frage, aber der Brief ist gut geschrieben und bringt es auf den Punkt. Leider ist es nicht nur die FAZ, die so berichtet, sondern so gut wie alle Zeitungen, die mir heute in die Hand kamen.

  2. Anne sagt:

    Ich hab eher nebenbei die unterschiedlichen Berichte über das LSR verfolgt und bin einigermaßen entsetzt über die komplett einseitige Berichterstattung der Verleger. Vollkommen geschenkt, dass es klar ist, dass die Verleger dem LSR gegenüber (vorsichtig formuliert) eher positiv gegenüber stehen, das dürfen sie. Aber das, was ich teilweise lesen musste, ist doch lächerlich und grenzt ein bisschen an Leserverarsche.

    Da ich eh keine Zeitung abonniert habe, stellt sich bei mir die Frage nicht, aber vielleicht ist es nicht schlecht, da etwas massiv zu reagieren, damit auch mal klar wird, dass der Leser vielleicht doch nicht ganz so doof ist, wie man sich das wünscht.

  3. Max-Plank-Institut watscht Leistungsschutzrecht ab sagt:

    [...] Offener Brief an die FAZ mit ABO-Kündigung Frederic Schneider; [...]

  4. Gedankenstrich.org » Blog Archive » Blogschau: Google & Leistungsschutzrecht sagt:

    [...] Frederic Schneider schreibt: »Wie folgt dokumentiere ich mein heutiges Schreiben an die FAZ als offenen Brief: ›Sie berichten [.] sehr eindeutig einseitig über die Meinung der Deutschen Zeitungsverleger und verurteilen die gestern gestartete Google-Kampagne ziemlich deutlich als unmoralisch. In Ihren drei (!) Artikeln kommt in keinem einzigen die Meinung von Google als Gegenseite vor. Das finde ich journalistisch sehr fragwürdig [...]. Sie werfen im Besonderen in Ihrem Artikel Google vor, seine Machtstellung für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Daher frage ich mich: Was ist das, was Sie machen? Während bei Google auf der Kampagnen-Seite zumindest noch jeder weiß, dass hier jemand mit offenem Visier für seine Zwecke streitet, nutzen Sie das Visier des ›unabhängigen Journalismus‹, um für Ihre Ziele zu werben. Das ist der journalistischen Institution FAZ nicht würdig.‹« [...]

  5. Isaak sagt:

    Man kann die Panik der Verlage ja schon nachvollziehen. Letztlich ist es aber so, dass zu gerne vergessen wird, dass gute Autoren viel zu wenig Geld bekommen und das aktuelle System mitnichten gerecht ist.

  6. FAZ: Was wissen Professoren schon vom Geldverdienen? « Stefan Niggemeier sagt:

    [...] gekündigt, weil deren einseitige Berichterstattung über Google und das Leistungsschutzrecht »der journalistischen Institution FAZ nicht würdig« sei. Aber Schneider ist ja bloß Kreisvorsitzender der Jungen Union Main-Taunus. Auf solche Leute, [...]

  7. Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website sagt:

    [...] haben, der dies mit der parteiischen Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht begründet und schreibt: “Sie werfen im Besonderen in Ihrem Artikel Google vor, seine Machtstellung für die [...]

  8. Frederic Schneider » Archiv » Digitale Bezahlmodelle, oder: Wie sich „Die Welt“ so etwas vorstellt sagt:

    [...] (FAZ) auf faz.net. Wieso hierzu ein Abonnent noch für die Zeitung Geld bezahlen sollte – abgesehen von manch anderen Gründen -, wenn er die gleichen Inhalte kostenlos im Internet lesen kann, wissen die Verlage womöglich nur [...]

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