Mit Drei-Wort-Adressen zum Ziel

Im Rahmen meines Besuches der IAA am 12. September für das LÖWENMAUL (Bericht erfolgt in unserer Ausgabe 2017-4) habe ich am Stand von Mercedes Benz das Projekt „what3words“ vorgestellt bekommen. Es ermöglicht, mittels drei Wörtern ein 3×3 Meter großes Quadrat zu adressieren. Wie bitte?

Wollen wir zu einem bestimmten Ort gelangen, gibt es – wenn wir ihn nicht aus dem Gedächtnis kennen – gemeinhin zwei Möglichkeiten, um zu navigieren:

  1. Wir kennen den Straßennamen, die Hausnummer, die Postleitzahl und den Namen der Stadt.
  2. Wir kennen die Koordinaten, beispielsweise indem wir uns den Ort vorher bei Google Maps angesehen und die Koordinaten extrahiert haben.

Im Regelfall funktionieren beide Möglichkeiten wunderbar. Und sie werden in Zukunft noch besser funktionieren, wenn nämlich im Internet die Orte von Personen und Unternehmen noch genauer und vollständiger abgespeichert werden. Dann müssen wir bei unserem Navigationsgerät nur noch den Unternehmensnamen angeben, wo wir hin möchten und das Navigationssystem (bzw. unser Smartphone) führt uns zum gewünschten Ziel.

Bild: Mercedes Benz/what3words

Trotzdem hat „what3words“ seinen Charme:

  1. Es gibt viele Orte, die keine Postadresse besitzen. Stellen wir uns nur vor, wir möchten im Urlaub zu einem bestimmten Strand, der etwas abseits der üblichen Touristenziele liegt. Meistens ist er nicht einmal direkt mit dem PKW anfahrbar. Dabei hilt uns „what3words“: Es wurden weltweit alle Orte mit Drei-Wort-Adressen versehen. Also auch unser verlassener Traumstrand im Urlaub. Übrigens: Auf der Website von „what3words“ wird ein Projekt in Tonga vorgestellt, das nun ebenfalls auf „what3words“ setzt und dadurch erstmals die flächendeckende direkte Zustellung mit Briefen ermöglicht.
  2. Auch mir ist es schon passiert, dass ich zwar eine Postadresse und den Namen der Stadt meines Ziels hatte, aber Google Maps mir trotzdem erst einmal nicht weiterhalf. In dem Fall gab es nämlich mehrere Straßen mit dem gleichen Namen in der gleichen Stadt – oder zumindest solche, die sehr ähnlich heißen. Die Adressen von „what3words“ sind einmalig und intuitiver als Koordinaten, helfen mir also in Zukunft viel besser, um von A nach B zu kommen.
  3. Selbst wenn ich eine Postadresse habe, bin ich nicht zwangsläufig an dem Ort, wo ich sein möchte. Gerade bei großen Unternehmen, Messegeländen oder Flughäfen möchte ich zu einem bestimmten Punkt gelangen. Dabei hilft mir die Postadresse nicht weiter. Mittels „what3words“ kann ich bis auf ein 3×3 Meter großes Quadrat genau navigieren.

Einen Nachteil hat „what3words“ trotz aller Vorteile: Die Namen sind zwar gewiss deutlich intuitiver als Koordinaten (50°04’07.5″N 8°38’43.6″E), allerdings sind die von „what3words“ generierten Drei-Wort-Adressen auch nicht immer ganz glücklich gewählt. Oder wer denkt bei „flasche.anzusehen.vororte“ an das Waldstadion in Frankfurt am Main?

Bild: Mercedes Benz/what3words

Eingesetzt wird „what3words“ ab 2018 in allen neuen Fahrzeugen von Mercedes Benz. Konzipiert ist das System für die Spracheingabe. Der Autofahrer soll beim Navigieren also beispielsweise „flasche.anzusehen.vororte“ sagen, um zum Fußball-Spiel nach Frankfurt zu kommen. Oder, um die Möglichkeiten von „what3words“ konsequent auszunutzen: Er könnte „erfordern.leiter.volk“ sagen, um zu einem Stellplatz auf dem Waldparkplatz zu navigieren. Dabei ergänzt „what3words“ die bestehenden Systeme, die „herkömmliche“ Navigation funktioniert weiterhin.

Neben Mercedes Benz setzen bereits Hilfsorganisationen oder Kartendienste auf „what3words“. Für Entwickler steht eine kostenlose API zur Verfügung. Über ein SDK ist es auch möglich, „what3words“ auf dem eigenen Server laufen zu lassen.

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