Die Zeitungsleser werden immer weniger, Blätter wie die „Financial Times Deutschland“ müssen mangels wirtschaftlicher Rentabilität eingestellt werden. Deshalb braucht es mutige Verlage, die digitale Geschäftsmodelle entwickeln. „Die Welt“ startet morgen mit einem ersten Versuch. Hat das Zukunft?

Wie steht es um den deutschen Qualitätsjournalismus? Einerseits durchaus gut, in den Redaktionen hierzulande sitzen viele talentierte Menschen, mit einer feinen Analyse und flotter Feder. Umso schmerzlicher ist ein Verlust einer angesehenen Wirtschaftszeitung wie der „Financial Times Deutschland“, obwohl ich sie nur kurzzeitig im Abo hatte, oder die Probleme, vor denen die Nachrichtenagentur dapd steht.

Ein großes Problem der Branche hierzulande ist es, auf den digitalen Trend nicht recht zeitig reagiert zu haben. Noch immer werden in Deutschland quasi alle Online-Angebote durch den großen Bruder „Print“ finanziert. Eigene Inhalte für Online werden kaum produziert, meist wandert der für die gedruckte Tageszeitung produzierte Artikel irgendwann online. So findet sich meist noch am selben Tag der Artikel aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) auf faz.net. Wieso ein Abonnent noch für die Zeitung Geld bezahlen sollte – abgesehen von manch anderen Gründen -, wenn er die gleichen Inhalte kostenlos im Internet lesen kann, wissen die Verlage womöglich nur selbst. Ein angeblicher Grund ist, dass man dadurch mehr Leser auf das Online-Angebot locken möchte, um den Werbepartnern zumindest eine einigermaßen hohe Reichweite anbieten zu können.

„Spiegel Online“ ist quasi die einzige Online-Redaktion, die den Namen „Voll-Redaktion“ verdient. Für den Online-Ableger des SPIEGELs arbeiten in verschiedensten Ressorts Redakteure, neben einem großen Hauptstadtbüro gibt es inzwischen nur für Online schreibende Auslands-Korrespondenten, in: Beirut, Islamabad, London, Moskau, New York, Washington und, wenn man es dazu zählen will, auch in Düsseldorf. Die Werbepreise anschauend und mit den diversen Werbebannern auf spiegel.de vergleichend scheint sich „Spiegel Online“ einigermaßen wirtschaftlich zu tragen.

Einen auf dem ersten Blick richtigen Weg geht „Die Welt“. Der Chefredakteur Jan-Eric Peters kündigt heute mit großen Worten an:

Wir wollen etwas wagen, und zwar gemeinsam mit Ihnen: Von diesem Mittwoch an setzt die “Welt” als erstes großes deutsches Nachrichtenportal im Internet auf digitale Abo-Angebote. Wir wagen den Schritt zu einem Bezahlmodell nach dem Motto: Die “Welt” gehört allen, denen sie etwas wert ist. Es ist eine Investition in die Zukunft unserer vielfach ausgezeichneten journalistischen Arbeit.

Das finde ich durchaus gut. Und ich wäre auch bereit, für Qualitätsjournalismus im Internet zu bezahlen. Hierfür stelle ich folgende Anforderungen:

  • Ich bekomme für das bezahlte Angebot keinen reinen dapd- / dpa-Ticker. Agenturmeldungen sind dafür da, dass Journalisten informiert sind, was auf der Welt passiert. Sie können sich auch den Texten aus den Agenturen bedienen, um daraus eine eigene Geschichte zu basteln. Möglicherweise dienen Agenturmeldungen auch als Lückenfüller für die beliebte Zeitungsrubrik „Kurze Meldungen“
  • Ich erwarte von einem bezahlten Angebot exklusive Interviews, Hintergrundstücke, Porträts, Reportagen
  • Zu guter Letzt erwarte ich, dass für all jene Artikel, die ich durch mein Abo mit finanziere, auch nur denjenigen Lesern zugänglich gemacht werden, die dafür zahlen. Es macht meines Erachtens keinen Sinn, um zum Beispiel der FAZ zurück zu kommen, für ein Produkt zu bezahlen, das ich online vom selben Anbieter kostenlos erhalte

Deshalb ist es interessant zu sehen, wie „Die Welt“ damit um geht. Schaun wir mal, wie sich der Verlag das so vorgestellt hat:

Sie können weiterhin eine bestimmte Anzahl an Artikeln kostenfrei lesen. Diese Anzahl ist derzeit auf 20 Artikel pro Monat beschränkt. (…) Jeweils zu Beginn jedes Kalendermonats wird Ihr Artikelkonto geleert und Sie können erneut bis zu 20 Artikel auf unserer Internetseite kostenfrei lesen.

Sprich: Ein Abo mit dem Axel-Springer-Verlag abzuschließen lohnt sich erst, wenn ich mindestens 21 unterschiedliche Artikel pro Monat lesen möchte? Okay, also eine erste Einschränkung. Weiter im Text:

Ebenfalls nicht mitgezählt werden derzeit die Bildergalerien eines Artikels sowie Videos.

Ist klar, denn Bildergalerien sowie Videos erzeugen Page Impressions und die sind wichtig für die Werbekunden. Zweite Einschränkung.

Nutzergenerierter Inhalt wird nicht angerechnet und mindert daher nicht Ihr Kontingent kostenfreier Artikel unserer Internetseite. Dies gilt für Kommentare zu Artikeln und auch zu Blog-Einträgen.

Macht Sinn. Wollen wir mal wohlwollend nicht als Einschränkung zählen.

Wir freuen uns auch weiterhin über Ihre Aktivität über Social-Media-Plattformen, Blogs und ähnliche Seiten. Sollten Ihre Social-Media-Freunde bzw. -Kontakte Ihrem Empfehlungs-Link folgen, können diese den Artikel problemlos lesen, auch nach dem Erreichen der 20-Artikel-Marke.

Ihr wollt mir also sagen, wenn ich einen Link via der Empfehlungs-Funktion verbreite, muss derjenige, der diesem Link folgt, nichts bezahlen? Umgekehrt bedeutet das also, wenn ich mir selbst einen Empfehlungs-Link bastel, muss ich auch nichts für den Artikel bezahlen? Nur, dass wir uns richtig verstehen: Ich kann also legal mehr als 20 Artikel im Monat auf welt.de lesen, hierzu muss ich lediglich “Empfehlungs”-Links folgen? Dritte Einschränkung!

Auf Facebook schreibt die Redaktion in einem Kommentar:

Und landen Sie hier über über den Link hier bei Facebook im Artikel, können Sie ihn immer ohne Hürden lesen.

Das gehört ein wenig zum vorherigen Zitat. Aber: Als regelmäßiger Leser der Facebook-Seite von „Die Welt“ spare ich mir ebenfalls Abo-Kosten. Vierte Einschränkung!

Und wie wird die 20-Artikel-pro-Monat-Begrenzung überhaupt technisch geprüft? Dazu antwortet Manuel Bewarder, Politik-Redakteur der Zeitung, auf Twitter wie folgt:

Die Artikel werden durch einen Cookie automatisch gezählt.

Daraus folgt für mich:

  • Wenn ich normalerweise mit dem Mozilla Firefox surfe, kann ich pro Monat maximal 20 Artikel besuchen; wechsel ich zu Google Chrome oder Microsofts Internet Explorer, beginnt die Zählerei von Neuem. Bei drei Browsern auf meinem Rechner kann ich also schon 60 Artikel im Monat lesen – toll!
  • Technisch für Jedermann zu leisten ist auch die einfache Möglichkeit, seine Cookies zu löschen. Oder wie die Redaktion ohne Scham auf ihrer „Google Plus“-Seite auf die Frage antwortet, was denn wäre, wenn ich als Internet-Nutzer pauschal die Cookies deaktiviere: „Dann steht der Counter bei Ihnen jedes Mal bei null.“
  • Fünfte Einschränkung! Aber was für eine!

Lieber Axel-Springer-Verlag, ich würdige durchaus den Versuch, neue Vertriebswege zu gehen. Anders formuliert: Das ist notwendig! Und ich hebe gerne noch einmal hervor, dass ich unter den weiter oben genannten Voraussetzungen auch bereit bin, für Qualitätsjournalismus zu bezahlen. Aber wieso, in Gottes Namen, soll ich für ein Produkt bezahlen, das ich über ganz legalen Wege auch online kostenlos bekomme? Alle Abonnenten müssen sich doch dumm vor kommen, für so etwas Geld auszugeben, wenn alle anderen das Angebot von „Die Welt“  kostenfrei bekommen können. Gesamt betrachtet fällt mir für dieses Geschäftsmodell nur ein: Das ist eine Farce! Einzig für das Produkt „DIGITAL Plus ‚Welt am Sonntag‘“ (14,99 EUR pro Monat) könnte man sich noch erwärmen, bekommt der Kunde dafür nämlich neben dem „unbegrenzten Zugang zu allen digitalen Inhalten der ‚Welt‘“ auch noch die WamS frei Haus. Ob das mit dem Anspruch zu vereinbaren ist, „als erstes großes deutsches Nachrichtenportal im Internet auf digitale Abo-Angebote“ zu setzen, will ich dann jedoch anzweifeln. Letztendlich kann ich nur den durchaus pessimistischen Eindruck formulieren, dass sich der Axel-Springer-Verlag mit diesem Geschäftsmodell schlicht eine Argumentation basteln möchte, in einigen Monaten sagen zu können, digitale Bezahlmodelle würden sich nicht tragen. Und deshalb benötigen wir Instrumente wie ein “spezielles Leistungsschutzrecht für Verlage”. Irgendwie hängt dann doch alles zusammen?

Gestern hat der US-Konzern “Google” eine Kampagnenseite zum Leistungsschutzrecht (LSR) freigeschaltet. Darin werden unter anderem zehn Argumente gegen die Einführung des LSR aufgerührt. Die Medien hierzulande reagieren überwiegend empört und greifen “Google” an – unter anderem die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ), die ich momentan als Abo beziehe. Wie folgt dokumentiere ich mein heutiges Schreiben an die FAZ als offenen Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Unverständnis habe ich heute Ihre Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht gelesen. Sie berichten darin sehr eindeutig einseitig über die Meinung der Deutschen Zeitungsverleger und verurteilen die gestern gestartete Google-Kampagne ziemlich deutlich als unmoralisch. In Ihren drei (!) Artikeln kommt in keinem einzigen die Meinung von Google als Gegenseite vor. Das finde ich journalistisch sehr fragwürdig und wäre einer Prüfung durch den Deutschen Presserat würdig. Sie werfen im Besonderen in Ihrem Artikel Google vor, seine Machtstellung für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Daher frage ich mich: Was ist das, was Sie machen? Während bei Google auf der Kampagnen-Seite zumindest noch jeder weiß, dass hier jemand mit offenem Visier für seine Zwecke streitet, nutzen Sie das Visier des “unabhängigen Journalismus”, um für Ihre Ziele zu werben. Das ist der journalistischen Institution FAZ nicht würdig.

Da ich nicht weiter bereit bin, für solch ein journalistisches Geschäftsmodell Geld zu bezahlen – was mir gewiss nicht einfach fällt, da Ihre Berichterstattung ansonsten sehr gut ist –, möchte ich hiermit mein Abo der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum schnellst möglichsten Zeitpunkt kündigen. Bitte bestätigen Sie mir meine Kündigung.

Mit freundlichen Grüßen,
Frederic Schneider

Lesenswert: Stefan Niggemeier über die aktuelle Diskussion

Twitterer des Jahres

31. Dezember 2011

Twitter ist ein wahnsinnig interessantes Kommunikations-Medium. Auch ich nutze diesen “Micro-Bloggingdienst” seit langer Zeit und folge mit Stand zum 31.12.2011 1.999 Accounts. Aus diesem Fundus habe ich erstmalig meine “Twitterer des Jahres” ausgezeichnet (Hash-Tag #Twitterer2011). Damit möchte ich deutlich machen, dass es interessante Persönlichkeiten gibt, die mir über das gesamte Jahr hin durchweg positiv aufgefallen sind. Neben einigen Kategorien in denen ich Preisträger bekannt gegeben habe, gibt es drei “Sonderpreise” für Twitter-Accounts, über die meines Erachtens herausragende Arbeit geleistet wird. Auf Vorschlag eines dieser prämierten Twitter-Kollegen fasse ich meine Preisträger zusammen.

Quelle: Twitter.com

Politischer Aufsteiger des Jahres

Politischer Aufsteiger des Jahres: @PeterAltmaier “begann zu begreifen” und gehört inzwischen zum Inventar #Twitterer2011

Peter Altmaier ist parlamentarischer Geschäftsführer der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. Der Saarländer hat 2011 mit dem Twittern begonnen und wurde unter anderem damit bekannt, dass er bezogen auf seinen Kollegen Siegfried Kauder und dessen Forderungen nach einen Two-Out-Strikes-Modell schrieb: “Wer Bücher klaut ist kriminell, aber man nimmt ihm nicht die Lesebrille weg.” Er hat außerdem für die FAZ einen tollen netzpolitischen Artikel verfasst. @PeterAltmaier ist mein politischer Aufsteiger des Jahres auf Twitter!

Quelle: Twitter.com

Fernsehkanal des Jahres

Persönlich und stets informativ: @ZDF, bester Fernsehkanal 2011 hier auf Twitter! Wie es 2012 wird…? ;-) #Twitterer2011

Kaum zu glauben: @ZDF auf Twitter (früher: “ZDFonline”) wird von nur zwei Personen geführt – Marco Bereth und Michael Umlandt, die ursprünglich gar nicht für das ZDF gearbeitet haben. Ihr Stil zu twittern ist sehr locker, der Inhalt trotzdem tiefgehend, informativ. Es macht einfach Spaß, Follower des ZDF zu sein. Auch wenn die Kollegen von ProSieben und Sat.1 ebenso gute Arbeit machen: Mein Fernsehkanal des Jahres auf Twitter ist eindeutig das ZDF!

Quelle: Twitter.com

Zeitung des Jahres

Manchmal zu lokal und deshalb spezifisch, aber gewiss das Internet verstanden: @RheinZeitung, die beste Zeitung auf Twitter! #Twitterer2011

Die “Rhein-Zeitung” ist eine Lokalzeitung und aus dem Rheinland stammend, deshalb sind die Inhalte dieser Tageszeitung als Hesse oftmals nicht mein Interesse. Das umfangreiche Online-Angebot bietet jedoch des Öfteren auch überregionale Themen spannend aufbereitet. Die “Rhein-Zeitung” bezieht dabei ganz bewusst auch Informationen von Twitter und scheut sich nicht, auch Twitterer als Quelle anzugeben. Andere Zeitungen hätten gewartet, bis dpa & Co. eine Agenturmeldung veröffentlichen. Auch in der Direkt-Kommunikation via Facebook und Twitter ist die RZ ganz weit vorne. Da können noch viele Tageszeitungen etwas von lernen. Viele Korrespondenten sind zudem selbst auf Twitter, nicht nur um Informationen zu empfangen, sondern auch zu senden. Beispielhaft sei hier Dietmar Brück, RLP-Landeskorrespondent, genannt. @rheinzeitung ist auf Twitter meine Zeitung des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Twitterin des Jahres

Sie hat die Bauern auf #RTL nicht verdient, auch wenn sie ihr größter Fan ist: @Fran_Muc, die sympathischste Twitterin 2011! #Twitterer2011

Es gibt viele gute Twitterinnen auf Twitter, vor allem aus der Union. Seien es Kristina Schröder, Julia Klöckner oder Dorothee Bär. Und eben: Franziska Ferber. Die junge Büroleiterin der stellv. CSU-Generalsekretärin Bär hat einen sehr erfrischenden Stil und zieht ihre Follower gerne in den Bann, bezieht sie in ihre Tweets ein. Und selbst wenn sie mit ihren “Bauer sucht Frau”-Tweets zuweilen die gesamte Timeline überschwemmt, wirken ihre #bsf-Tweets trotz alledem sympathisch. Eine Frau, die Kommunikation kann. Daher ist @Fran_Muc meine Twitterin des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Twitterer des Jahres

Manchmal kompliziert und in der falschen Partei, aber großes Nachwuchstalent: @Schmidtlepp, sympathischster Twitterer 2011! #Twitterer2011

Viele potentielle Preisträger hätte es für diesen Titel gegeben. Aber etwas Mut zur Lücke muss sein: Christopher Lauer ist Abgeordneter in Berlin, er ist zuweilen umstrittener Pirat durch und durch. Ein rhetorisches Talent, der versteht, wie eine Fraktion arbeiten sollte, aber mit seinen Versuchen dafür einzutreten mitunter scheitert. Seine Art auf Twitter zu agieren mag auf Dauer überfordernd wirken, aber sein Stil ist humorvoll und sympathisch. Er ist ein Twitter-Freund von Peter Altmaier. Christopher Lauer: Ein Mann in der falschen Partei, aber mit der richtigen Art. Daher ist @Schmidtlepp mein Twitterer des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: Blogger des Jahres

Sonderpreis I: Die Blogger des Jahres sind @hildwin und @stecki, stets mit einem schlauen Gedanken und flotter “Feder” #Twitterer2011

Sie engagieren sich beide für eine zukunftsgerichtete Netzpolitik: Frank Bergmann und Malte Steckmeister. Ihre Gedanken äußern sie nicht nur umfangreich in internen Gruppen und Mailinglisten bzw. auf Twitter, ihre Gedanken können sie stets auch gut zusammengefasst und pointiert analysiert “runterbloggen”. Die Lektüre ihrer Blogs wird für politisch Interessierte zur Pflicht. 2011 war ihr Jahr. @hildwin und @Stecki haben deshalb einen Sonderpreis mehr als verdient und sind meine Blogger des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: Journalisten des Jahres

Sonderpreis II: Sie liest man gerne, wenn man Journalisten folgen möchte: @raffisweb @chris_albrecht @Mathis22 @dominikrzepka #Twitterer2011

Wenn man denkt, Journalisten veröffentlichen ausschließlich in ihrem eigenen Medium – weit gefehlt! Nicht nur die “Rhein-Zeitung” beweist hier Gegenteiliges. Auch der hr und das ZDF sind vorne dabei. Rafael Bujotzek (ZDF “heute-journal”), Christian Albrecht (hr-online.de), Mathis Feldhoff (ZDF-Hauptstadtstudio) und Dominik Rzepka (heute.de) berichten über ihre Arbeit und darüber hinaus auf Twitter. Ein Vorbild für andere Journalisten. Daher sind sie meine Journalisten des Jahres auf Twitter!

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: FDPler des Jahres

Sonderpreis III: Noch jung, aber “oho” – @LasseBecker, ein Lichtblick bei der krisenbehafteten #FDP? Follower-Tipp! #Twitterer2011

Es mag ein wenig wie Hohn klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint: Lasse Becker, der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLis), macht – auch wenn inhaltlich manchmal anderer Meinung als ich – eine hervorragende Arbeit. Er trifft oftmals den Ton. Auch kann er klare Kante zeigen und hat FDP-Abgeordneten angedroht, sollten sie für die Vorratsdatenspeicherung stimmen, bräuchten sie sich bei den JuLis nicht mehr zu zeigen. Wow! Auf Twitter ist er stets ansprechbar, ist trotz seines Aufstieges zum Vorsitzenden der FDP-Jugendorganisation geerdet geblieben. Er ist deshalb (auf Twitter) mein FDPler des Jahres!

Wer, wie, was? Der Gamer

26. August 2011

Die Debatte um RTL Explosivs stigmatisierenden TV-Beitrag hat auch ein Gutes: Die Branche kann sich endlich einmal Gedanken um ihr Bild nach außen machen. Wer ist überhaupt ein Gamer? Wie wirkt der Gamer? Sprich: Wer darf sich von dem Beitrag auf RTL überhaupt angegriffen fühlen?

Über das Thema habe ich mir an diesem Donnerstag besonders Gedanken gemacht, als ich auf Twitter über das Verhalten von RTL und die Reaktionen darauf geschrieben habe und von meinen Lesern gefragt wurde, welche Relevanz Gaming in der öffentlichen Debatte überhaupt hat.

Meine schlichte Antwort war der Verweis auf eine repräsentative Umfrage des Branchenverbandes BIU, wonach in 2010 zirka 23 Millionen Deutsche “regelmäßig Computer- und Videospiele” spielen, darunter doch immerhin zehn Millionen Frauen.

Doch was verstehen wir unter Computer- und Videospielen? Auch, wenn eine ältere Frau regelmäßig am Rechner Solitär spielt oder der alte Amiga aus dem Keller geholt wird? Auch hier gibt der BIU mit seinen Marktzahlen einen Indikator: 2010 wurden 71 Millionen verkaufte Datenträger oder bezahlte Downloads gezählt, und diese Zahlen beziehen sich auf die erwähnte Spielerumfrage. Als Gamer zählt also, wer relativ aktuelle Spiele erworben hat.

Welche Plattformen gehören dazu? Auch hier gibt es spannende Entwicklungen. Außer dem PC gibt es neben Sonys PlayStation 3 auch Nintendos Wii oder die Xbox 360 von Microsoft, ganz zu schweigen von diversen Handhelds wie Nintendos 3Ds oder die in wenigen Monaten erscheinende PlayStation Vita. Daneben werden Games immer häufiger auf Smartphones gespielt, hierzu stellen Android und das iPhone die entsprechende Basis zur Verfügung. Online- und Browserspiele gehören ebenfalls zu den Plattformen.

Wer ein Gamer sein möchte, muss also nicht mehr unbedingt zuhause vor dem Monitor sitzen, Gaming funktioniert heutzutage selbst auf kleinsten Bildschirmen in ansprechender Qualität. Dabei gibt laut BIU der Computer aber weiterhin und deutlich den Ton an.

Des Weiteren gibt es noch eine weitere, zu klärende Unterscheidung: Ist ein Gamer nur derjenige, der sich regelmäßig mit Spielen auseinander setzt (Hardcore-Gamer), oder auch der Gelegenheitsspieler (Casual-Gamer)? Auch hier hat die Spielebranche, überwiegend aus Gründen der eigenen Weiterentwicklung – auch finanzieller Art – einen großen Sprung gemacht und weitet sein Feld aus. Casual-Gamer rücken immer mehr in den Blickwinkel der Hersteller. Sie machen inzwischen in den Statistiken einen erheblichen Teil aus. Nintendo bspw. spielt bewusst damit, das Gaming zu einem Familienabend zu machen wie bisher 4Gewinnt, Mensch ärgere Dich nicht oder Schach. Und damit haben sie Erfolg: Obgleich ein deutlicher Anteil weiterhin zwischen zehn und 19 Jahren alt ist, erschließt die Spielebranche ein großes Millionenpublikum selbst bei den ab 40-Jährigen (3,6 Mio. bis 49 Jahre, vier Mio. ab 50 Jahren). Dies liegt jedoch zudem auch daran, dass die heute 40-Jährigen bereits zu der Generation zählen dürfen, die mit der Elektronik aufgewachsen sind und deshalb auch als aufgeschlossener gelten dürfen.

Ein Gamer zu sein bedeutet heute folglich auch nicht mehr, sich ständig mit der Materie auseinander zu setzen, in Clans zu spielen oder ein Aktivposten auf den Servern von Online-Rollenspielen zu sein. Allerdings ist der Hardcore-Gamer weiterhin der am deutlichsten, zumindest öffentlich wahrnehmbare Teil der Community.

All diese Zahlen machen deutlich, dass der Gamer an sich ein überholter Begriff ist, da er heute lediglich noch die Funktion hat zu beschreiben, wer überhaupt spielt. Längst sind Computer- und Videospiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen, zählen nicht mehr zu den Randgruppen irgendwelcher “Freaks”, sondern sind ein Bestandteil des Alltages von Millionen Menschen in Deutschland.

Darf sich aber jeder von dem RTL-Beitrag stigmatisiert fühlen, der unter die Definition Gamer fällt? Ein Blick auf die Debatte vor allem via Facebook auf der offiziellen gamescom-Seite lässt erahnen, dass der Aufschrei nicht aus der ganzen Gesellschaft rührte, sondern sich auf eine bestimmte, wenn auch sehr lautstarke Gruppe beschränkte. Die Beschwerden kamen überwiegend von jungen Menschen, die sich offen als Gamer outen und eher zu denjenigen zählen, die sich regelmäßig mit Computer- und Videospielen auseinander setzen. Genau diese Gruppe nahm der RTL-Beitrag auch aufs Korn, jedoch mit dem Hinweis, so wie im Fernsehbeitrag seien alle Messebesucher gewesen.

Doch hier irrte der Beitrag. Sicherlich lebte die gamescom und lebt auch in Zukunft von skurril anmutenden Menschen, die sich verkleiden. Der auf den Durchschnitt heruntergebrochene Besucher der gamescom ist aber eben nicht so speziell, sondern ein normaler Jugendlicher, der die gamescom in seiner Freizeit besucht wie sonst ein Schwimmbad. Immer mehr Messebesucher kommen in Begleitung einer Freundin, was auch das Vorurteil relativiert, der Gamer sei Single und schüchtern. Obgleich es letzteres weiterhin geben wird, ist dies aber nicht mehr sinnbildlich für den durchschnittlichen Gamer.

Insofern lässt sich festhalten, dass der Gamer längst mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung beschreibt, der RTL-Beitrag sich aber besonders auf eine kleine Gruppe von Hardcore-Gamern bezog und dabei in seiner Beschreibung trotzdem noch extreme Entwicklungen darstellte, die nicht (mehr) repräsentativ sind für eine ganze Jugendkultur.

275.000 Besucher auf der gamescom 2011 – eine stolze Zahl, die die Koelnmesse am Sonntag veröffentlichte. Doch es hätten noch mehr sein können, wenn die gamescom ihr Potential nur ausnützen würde, meint Frederic Schneider in seinem Kommentar.

Selbst der Branchenverband BIU wird nicht ganz damit gerechnet haben, dass der Besucherrekord aus 2010 so schnell noch einmal um gut acht Prozent mehr Gamer getoppt werden könnte. Ja, ein klares Fazit: die gamescom war für die Aussteller, Besucher und – bitte lasst uns diesen Triumph – auch für die Presse ein voller Erfolg.

Foto: Frederic Schneider
Schon am Messedonnerstag war sehr viel los auf dem Messegelände

Doch die Vorkommnisse am Messesamstag geben zu denken. Aufgrund des hohen Andrangs hatte die Messeleitung entschieden, die Eingänge sicherheitshalber zu schließen und den Verkauf von Tagestickets zu stoppen. Ewig lange Schlangen bei hohen Temperaturen vor dem Messegelände und abnormale Wartezeiten an den Ständen – EA sprach von bis zu neun Stunden bei Battlefield 3 – waren das Resultat. Dass es irgendwann dazu kommt, war abzusehen. Schon in den Jahren 2009 sowie 2010 und selbst auf der “Games Convention” in Leipzig sind manche Hallen so überfüllt gewesen, dass man schwer durch kommen konnte. Selbst wenn es noch ging, so war es doch nie angenehm.

Wieso die Koelnmesse nicht reagierte, bleibt zunächst ihr Geheimnis. Wieso die Hallen 1, 2, 3 und 11 nicht benutzt werden, auch. Aber wieso? Mehr Hallen zu öffnen bedeutet sicherlich erst einmal auch mehr Arbeit, vielleicht auch geringere Quadratmeterpreise, es bedeutet zugleich aber auch mehr Platz, die Stände könnten flexibler gestaltet werden. Die Massen würden sich besser verteilen. Wahrscheinlich wäre der Besucherrekord von 275.000 Menschen noch höher ausgefallen.

Davon würden nicht nur die Aussteller profitieren, sondern besonders die Messebesucher, die das Kapital der gesamten gamescom sind. Nach dem Messesamstag in 2011 sollte die Koelnmesse, die ansonsten eine hervorragende Arbeit macht, reagieren und die anderen Hallen endlich öffnen.

Bereits seit 2006 besuche ich die europäische Leitmesse für Computer- und Videospiele als Medienvertreter. Hieß sie zuerst “Games Convention” und errang in Leipzig große Bekanntheit, gastiert die Messe seit 2009 jedes Jahr unter dem neuen Namen “gamescom” in Köln. Früher für ein tagesaktuelles Online-Medium tätig, konnte ich dieses Jahr als akkreditierter Journalist für ein Print-Magazin etwas gediegener angehen lassen und präsentiere wie folgt zwölf Fotos der ersten beiden Messetage.

Foto: Frederic Schneider
Vom 17. bis zum 21. August 2011 findet die gamescom in Köln statt

Foto: Frederic Schneider
Besucher dürfen erst ab zehn Uhr die “heiligen Hallen” betreten

Foto: Frederic Schneider
Der erste “Consumer”-Tag war der Messedonnerstag, mittwochs war Fachbesuchertag

Foto: Frederic Schneider
Die Medien filmen und fotografieren traditionell den Einlass der Messebesucher

Foto: Frederic Schneider
Der große Ansturm war jedoch umsonst, es waren zwar massig Messebesucher vor Ort, jedoch blieb der aus Leipzig bekannte “Run der Horden” in die Hallen aus

Foto: Frederic Schneider
Über 300 Neuheiten wurden in Köln präsentiert, das Anspielen hunderter Titel wurde von den Gamern stark genutzt – wie hier Trackmania: Canyon

Foto: Frederic Schneider
Messestände sind vor allem dann beliebt, wenn auf den Bühnen (hier: NCSoft) viel los ist

Foto: Frederic Schneider
Bei der “Electronic Sports League” (ESL) wurden Live-Partien der eSports-Profi gezeigt

Foto: Frederic Schneider
Wer die Toptitel (Battlefield 3, Diablo 3, FarCry 3, StarCraft 2) anspielen möchte, muss viel Zeit mitnehmen, bei Diablo 3 waren Wartezeiten von 2-3 Stunden üblich

Foto: Frederic Schneider
Auch Messehostessen dürfen freilich nicht fehlen

Foto: Frederic Schneider
THQ lies sich für eines ihrer (eher sinnlosen) Spiele etwas ganz Besonderes einfallen und die “Penthouse Pets” aus den Vereinigten Staaten einfliegen

Foto: Frederic Schneider
Tausende Besucher waren bereits am ersten Publikums-Messetag gekommen

Twitter ist ein tolles Medium. Nicht nur, dass es in diesen Tagen fünf Jahre alt geworden ist und damit zeigt, dass es ob seiner Belietbheit keine Eintagesfliege ist. Vor allem öffnet es neue Tore für jene, die wie ich Spaß daran haben, auf dieser Plattform etwas zu schreiben.

Als begeisteter Fußballzuschauer, der auch unseren Mädels die Daumen drückte, besuchte ich vergangene Woche das Spiel Äquatorial-Guinea gegen Brasilien in Frankfurt und bewarb mich bereits vorher bei der “Frankfurter Neue Presse” als so genannter Twitter-Reporter. Dahinter steckt eine von Weber Shandwick betreute Kampagne der Deutschen Telekom. Pro Spiel werden sechs Twitterer gesucht, die über den Account “Herzrasen11” berichten. Die Telekom arbeitet dabei mit regionalen Zeitungen zusammen, wovon jeweils zwei Medien pro Spiel drei Reporter schicken dürfen. Einer der drei Teilnehmer pro Spiel und Zeitung kann zudem ein Sony Ericsson Xperia gewinnen – im Übrigen das Smartphone, mit dem jeder Twitter-Reporter während seines Einsatzes arbeiten darf.

Foto: Herzrasen11
@molschewski und ich (die dritte Kollegin kam etwas später hinzu), Foto: Herzrasen11

Für das Halbfinale Japan gegen Schweden bekam ich nun die Möglichkeit, einer der “Glücklichen” zu sein. Unsere Betreuerin gab uns zwar ein, zwei Aufgaben, worüber wir twittern sollten, ansonsten hatten wir relativ große Freiheiten. Man regte lediglich an, neben allgemeinen Informationen wie den aktuellen Spielstand Emotionen und Geschichten aus dem Stadion aufzusaugen. Der Vorteil dabei war, dass wir direkt im Fanblock saßen und Zuschaueremotionen direkt mitbekommen konnten. Nachteilig: Mit einer Presse-Akkreditierung ist man näher am Spielgeschehen dran, darf vllt. in der Mix-Zone mit Spielern sowie den Verantwortlichen kurze Gespräche führen und vor allem Fotos vom Spielfeld schießen, was uns leider über den “Herzrasen11″-Account nicht erlaubt war.

Im Folgenden eine chronologische Auflistung aller meiner Tweets, die unter “Herzrasen11″ mit dem Kürzel “fs” zu lesen sind:

  • Auf der Buhne vor dem Stadion wird “Ich will Spaß“ von Markus gecovert – den haben wir!
  • Politischer Tipp: Hessens Umweltstaatssekretär Weinmeister inkognito getroffen, er glaubt an ein 2:1 für Japan
  • Männliche Zuschauer im Fanblock sind etwas zurückhaltend, befragt nach ihren Erwartungen: “Einer wird gewinnen”
  • Das obligatorische “Heidelsheim”-Banner auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund darf hier im Stadion auch nicht fehlen
  • Erste Laola-Welle auf den Oberrängen verlief im Sande, zweiter Versuch klappt
  • Tor für Schweden. überschwinglicher Jubel im Stadion
  • Reporter-Kollege von der @rheinzeitung hat sich Spickzettel mit Infos über die Mannschaften mitgebracht, sehr schlau ;)
  • Wo kommen plötzlich die weißen Flaggen mit roten Punkten alle her? Japan gleicht aus, 1:1
  • Kommentar aus dem Fanblock: “Wie die mit ihren kurzen Füßen flitzen tut, sagenhaft”
  • Unser Arbeitsgerät: http://yfrog.com/ki21545366j
  • Gefühlt erhöht sich derzeit die Fehlerquote im Spiel
  • Wir wollen ja keine Vorurteile bedienen, aber auffällig viele Japaner sind mit Fotoapparaten ausgestattet
  • Kolleginnen helfen den kleinen Fans bei Fragen: http://yfrog.com/klutdwij :)
  • Junger schwedischer Fan ist optimistisch, dass es ihre Mannschaft noch mit einem Sieg in das Finale schafft
  • Publikum besteht im Vergleich zu normalen BuLi-Spielen deutlich aus mehr Familien, tut der Stimmung aber keinen Abbruch
  • Japan geht erstmals in Führung durch einen Abwehrfehler, 2:1
  • Und das 3:1 für Japan, wieso geht die Schwedin auch so weit aus dem Tor?
  • Zeitspiel der japanischen Torhüterin wird gnadenlos vom Publikum ausgepfiffen
  • Schweden machen einfach zu viele Fehler, Japan konnte das bereits dreimal erfolgreich und inzwischen verdient ausnutzen
  • Verdienter 3:1-Sieg für Japan, die Asiatinnen haben heute großen Respekt verdient. Schwedische Fans gehen enttäuscht heim
  • Japanerinnen bedanken sich per Banner für die Unterstützung der Fans. Okay, die Pfiffe waren erwartbar
  • Hat Spaß gemacht, an dieser Stelle sagt @frederics ein Dankeschön bei allen Lesern für die Aufmerksamkeit

In diesen Tagen ist Google+ online gegangen. Hinter dem Namen verbirgt sich der neueste Coup des kalifornischen Unternehmens, das mit seinem eigenen sozialen Netzwerk dem Branchenprimus Facebook den Rang ablaufen möchte. Obgleich sich Google+ noch in der Beta-Phase befindet und lediglich “eine kleine Gruppe” Zugriff zum Testen bekommen soll, startete in den vergangenen 24 Stunden das große Rennen auf einen Zugriffsaccount. Möglich wurde das über einen kleinen Trick, der womöglich aber bewusst von den Entwicklern ermöglicht wurde, um das Interesse an der Plattform zu schüren. Dies ist schon einmal gelungen. Wie macht sich der Rest?

Google+
“Stream” von Google+

Als ich ein erstes Bildschirmfoto via Facebook verbreitete und Google+ als potentielle Konkurrenz benannte, lautete der erste Kommentar eines meiner FB-Freunde: “Sieht genauso aus (wie Facebook), irgendwie.”  In der Tat: Der “Stream” (auf Facebook: “Neuigkeiten”) ist ähnlich aufgebaut, chronologisch mit den neuesten Meldungen ganz oben auf der Seite, die kommentiert und “geliked” werden können. Bei Google+ gibt es hierzu einen “+1″-Button. Jedes Mitglied von Googles neuester Plattform hat die Möglichkeit, einen Status zu erstellen, kann darin, ebenfalls wie bei Facebook, Personen direkt verlinken, Links anfügen, Bilder oder Videos hochladen. Auch die Profildaten sind nichts Besonderes.

Besonders an Google+ ist dafür Mehreres:

  • Die Circles. Diese Kreise gibt es zwar bei Facebook ebenfalls, sie nennen sich dort Listen, doch kennt sie kaum jemand . Es ist möglich, den Stream eines Nutzers zu abonnieren, indem man ihn per Drag & Drop, d. h. per Ziehen mit der Maus, in einen solchen Kreis zieht, der beispielsweise “Familie”, “Freunde” oder “Kollegen” heißen kann. Nutzer in solche Kreise einzusortieren ist zwingend notwendig, Freundschaftsanfragen oder ähnliches kennt Google+ nicht. Diese Kreise sind in zwei Richtungen interessant:
    • Privatsphäre: Google+ geht standardmäßig davon aus, dass der Nutzer seine Beiträge nicht mit allen Menschen teilen möchte, sondern nur bestimmten Zielgruppen. Es fragt bei jedem zu teilenden Status vorher ab, an welche Zielgruppe, sprich an welchen Kreis die Meldung gerichtet sein soll. Es ist so möglich, einen Status nur für die Familie zu schreiben, oder an alle Kontakte in den Kreisen, außer an die “Kollegen”. Natürlich kann ein Status auch auf “öffentlich” gestellt werden, d. h. auch Nicht-Mitglieder von Google+ können ihn sodann lesen. Diese Möglichkeiten stehen zwar theoretisch auch Nutzern von Facebook zur Verfügung, nur weiß dies kaum jemand oder es ist zu wenig pragmatisch gelöst.
    • Lesen: Klickt der Nutzer auf “Stream”, kann er die neuesten Meldungen aller Nutzer lesen, die er in seine Kreise eingeteilt hat. Es ist auch möglich, einzelne Kreise aufzurufen. Hat man bspw. einen Circle mit der eigenen Fußball-Mannschaft erstellt, kann man so sehr gut die Meldungen aus dieser Zielgruppe unproblematisch herausfiltern.

Google+
Blick auf die Circles

  • Die Sparks. Den praktischen Nutzen habe ich zwar noch nicht ganz enträtselt, die Idee ist jedoch, für ein bestimmtes Thema Meldungen aus dem Internet zu sammeln und gefiltert aufzurufen. Wer Meldungen von seinem Lieblingsverein auf einem Blick haben möchte, findet hier was er sucht. Die Ergebnisse ähneln einer Suche bei “Google News”.
  • Eine effiziente Applikation für Smartphones. Gibt es bislang zwar erst für das Android, die iPhone-Nutzer müssen sich noch etwas gedulden. Als Android-Nutzer konnte ich mir bereits ansehen, was Google so gebastelt hat. Mein erster Eindruck ist, dass die App für Google+ nicht nur sehr übersichtlich gestaltet wurde, sondern auch sehr schnell ist. Auch via Smartphone kann ich sehr viel mit den Circles arbeiten. Besonders toll finde ich die Geolokalisierungsfunktionalität. Ich als Nutzer entscheide darüber, ob die exakte Adresse angezeigt wird, wo ich mich befinde, ggf. der Gebäudename (Beispiel: Eifelturm) oder nur der Stadtname. Dies hat nicht nur einen praktischen Nutzen, sondern ist auch ein Angebot an die Kritiker, die Geolocation-Dienste aus Privatsphäre-Gründe kritisieren. Es ist nicht immer sinnvoll, seinen exakten Standort anzugeben. Alles in allem: Im Gegensatz zu bisherigen Projekten hat Google verstanden, dass man zum Start direkt eine gute App für Smartphones benötigt und dies nicht erst nach Wochen nachliefern darf.
  • Implementierung bisheriger Dienste. Google lebt freilich davon, dass es sehr viele Produkte anbietet und dadurch ein Monopol erreicht. Dies bietet für die Nutzer aber auch einige Vorteile, beispielsweise, dass sich “Buzz” direkt einfügen lässt. Oder wer kann schon auf die Erfahrungen von Picasa zurückgreifen, Googles Fotodienst? Auch hat Google Funktionalitäten aus anderen Produkten implementiert, etwa den Chat von “Google Talk”, wie er auch bei “Google Mail” integriert ist. Großer Vorteil: Ich habe auf meinem Smartphone nicht ein weiteres Chatsystem wie bei Facebook, sondern setze einfach mehr auf die bereits installierte “Google Talk”-App. Heute haben mich zwei neue Freunde darüber angeschrieben.

Google+
Fotoalbum: Gekonnte Implementierung dank Picasa

Freilich gibt es bei Google+ auch einige offene Fragen, die meisten werden sich in den nächsten Wochen und Monaten aus der Praxiserfahrung beantworten. Ein Tag Google+ ist zu früh, um ein abschließendes Urteil abzugeben. Der Erfolg von Google+ wird sich alleine daran messen, wie intensiv sich die Nutzer auf diese neue Plattform stürzen. So ein großes Interesse wie an Google+ habe ich jedoch weder bei Buzz noch bei Google Wave erlebt. Auch scheint Google bei “Google Plus” aus alten Fehlern gelernt zu haben. Google ist erwachsen geworden. Google+ wirkt als das modernere Facebook: Es kann das gleiche, nur besser, könnte man nach den ersten Minuten als neuer Nutzer von Google+ denken. Ungeklärt sind jedoch Fragen beispielsweise wie Marken sich dort präsentieren können. Facebook profitiert auch davon, dass Prominente, Sänger, Fußballer und auch Politiker dort präsent sind. Google+ scheint für solche Kunden noch nicht optimiert zu sein. Google+ ist zudem werbefrei: Die Frage lautet, ob dies mittel- oder langfristig so bleiben kann. Zu guter letzt: Was lernt Facebook vom Google-Erfolg, wie reagiert es? Es wird sich verändern, aber es wird auch seine Linie halten müssen. Eine anscheinend kurzfristig gebastelte und heute stark beworbene Circles-Erweiterung für Facebook von Fans erscheint mir zumindest als die falsche Antwort.

Um direkt den möglicherweisen falschen Eindruck des Titels zu verwischen: Berlin ist eine schöne Stadt. Nein, es geht nicht um die Menschen in unserer Hauptstadt, um den schönen Tiergarten, die große Geschichte und die Bauten zwischen Spree und Fernsehturm. Viel mehr geht es in diesem Artikel um den beschränkten Blick manches Journalisten.

Aber der Reihe nach.

Am Sonntag begann die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Eine große Chance nicht nur für unser Land, uns nach 2006 als gute Gastgeber zu präsentieren, sondern auch für unsere Mädels, das Triple zu holen und nach 2003, 2007 erneut Weltmeister zu werden. Sie hätten es sich verdient. Obgleich sich der Frauen-Fußball noch in der Entwicklung befindet, findet er immer mehr Anhänger, und das nicht erst seitdem am Sonntag rund 73.000 Menschen im Berliner Olympiastadion ihre Spielerinnen anfeuerten. Spätestens als zehntausende Fans 2007 auf dem Frankfurter Römer standen und unsere Frauen mit dem Pokal empfangen, hat Fußball-Deutschland auch die Mannschaft um Trainerin Silvia Neid ins Herz geschlossen.

Verschiedene Medien haben das Thema in letzter Zeit aufgegriffen. Längst hat es zwar noch keine Dimensionen wie bei den Männern erreicht; dass ARD und ZDF alle Spiele der Weltmeisterschaft live zeigen, und nach dem Sonntag-Spiel gegen Kanada die Nachrichtenagenturen Eilmeldungen verschickten, was spätestens jeden noch so verbohrten Zeitungsredakteur am Schreibtisch wachrüttelte, zeigt, wie sehr die Nachfrage da ist.

SPIEGEL ONLINE, das Leitmedium im Internet schlechthin, hat sich der Berichterstattung ebenfalls angeschlossen und berichtete auffällig viel über das erste Gruppenspiel gegen Kanada. Erstaunt blickte ich, umso später es am Sonntagabend wurde, auf einen Artikel mit der Überschrift: “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden”. Dort tut Nora Gantenbrink für SPIEGEL ONLINE Kund, was sie am Abend in Berlin erlebte, und das scheint sie doch recht unzufrieden gemacht zu haben. Sie hat folgende Szenen beobachtet:

Die großen Pilgerströme hin zu den Public-Viewing-Plätzen von grölenden Menschen in Schwarz-Rot-Gold-Weiß bleiben in der Hauptstadt bislang aus. Hinter den Menschen auf den Bierbänken trödeln Touristen lang, nebenan pokert ein Männerquartett konzentriert vor einer Dönerbude. Die vorbeifahrenden Wagen sind Deutschlandfahnen-frei.

Warum das so ist, diese Antwort liefert sie uns gleich mit:

Es gibt keine Fanmeile am Brandenburger-Tor, keinen Party-Sammelpunkt, aber ein paar Kneipen (…).

Auch der obligatorische Männerfußball-Vergleich darf bei Nora Gantenbrink nicht fehlen:

An dem Tag, an dem das Sommermärchen in Deutschland begann, sah man kaum ein Fahrzeug ohne Deutschlandflagge, während der Spiele waren die Supermärkte und Straßen leer, und Deutschland versank außerhalb von Fernsehgeräten, dem Stadion und Public-Viewing-Plätzen in einen Dornröschenschlaf. Aber Frauen- und Männerfußball vergleichen, das gilt generell als verpönt (…).

Schließlich zitiert sie noch jemanden aus einer Fußball-Bar, der ihr die tolle Überschrift “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden” für ihren Text schenkte. Dem Mann, er soll Moritz heißen, ist zu danken. Damit hätte sie eigentlich schon alles sagen können. Ansonsten wäre eventuell noch folgendes interessant gewesen:

Aber das scheint die Dame von SPIEGEL ONLINE ja nicht zu interessieren. Für sie scheint Berlin der einzige Gradmesser für die Stimmungslage in Deutschland zu sein. Schade.