Leistungsschutzrecht und FAZ-Abo
28. November 2012
Gestern hat der US-Konzern “Google” eine Kampagnenseite zum Leistungsschutzrecht (LSR) freigeschaltet. Darin werden unter anderem zehn Argumente gegen die Einführung des LSR aufgerührt. Die Medien hierzulande reagieren überwiegend empört und greifen “Google” an – unter anderem die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” (FAZ), die ich momentan als Abo beziehe. Wie folgt dokumentiere ich mein heutiges Schreiben an die FAZ als offenen Brief:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großem Unverständnis habe ich heute Ihre Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht gelesen. Sie berichten darin sehr eindeutig einseitig über die Meinung der Deutschen Zeitungsverleger und verurteilen die gestern gestartete Google-Kampagne ziemlich deutlich als unmoralisch. In Ihren drei (!) Artikeln kommt in keinem einzigen die Meinung von Google als Gegenseite vor. Das finde ich journalistisch sehr fragwürdig und wäre einer Prüfung durch den Deutschen Presserat würdig. Sie werfen im Besonderen in Ihrem Artikel Google vor, seine Machtstellung für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Daher frage ich mich: Was ist das, was Sie machen? Während bei Google auf der Kampagnen-Seite zumindest noch jeder weiß, dass hier jemand mit offenem Visier für seine Zwecke streitet, nutzen Sie das Visier des “unabhängigen Journalismus”, um für Ihre Ziele zu werben. Das ist der journalistischen Institution FAZ nicht würdig.
Da ich nicht weiter bereit bin, für solch ein journalistisches Geschäftsmodell Geld zu bezahlen – was mir gewiss nicht einfach fällt, da Ihre Berichterstattung ansonsten sehr gut ist –, möchte ich hiermit mein Abo der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum schnellst möglichsten Zeitpunkt kündigen. Bitte bestätigen Sie mir meine Kündigung.
Mit freundlichen Grüßen,
Frederic Schneider
Lesenswert: Stefan Niggemeier über die aktuelle Diskussion
Erster Eindruck von Google+
1. Juli 2011
In diesen Tagen ist Google+ online gegangen. Hinter dem Namen verbirgt sich der neueste Coup des kalifornischen Unternehmens, das mit seinem eigenen sozialen Netzwerk dem Branchenprimus Facebook den Rang ablaufen möchte. Obgleich sich Google+ noch in der Beta-Phase befindet und lediglich “eine kleine Gruppe” Zugriff zum Testen bekommen soll, startete in den vergangenen 24 Stunden das große Rennen auf einen Zugriffsaccount. Möglich wurde das über einen kleinen Trick, der womöglich aber bewusst von den Entwicklern ermöglicht wurde, um das Interesse an der Plattform zu schüren. Dies ist schon einmal gelungen. Wie macht sich der Rest?

“Stream” von Google+
Als ich ein erstes Bildschirmfoto via Facebook verbreitete und Google+ als potentielle Konkurrenz benannte, lautete der erste Kommentar eines meiner FB-Freunde: “Sieht genauso aus (wie Facebook), irgendwie.” In der Tat: Der “Stream” (auf Facebook: “Neuigkeiten”) ist ähnlich aufgebaut, chronologisch mit den neuesten Meldungen ganz oben auf der Seite, die kommentiert und “geliked” werden können. Bei Google+ gibt es hierzu einen “+1″-Button. Jedes Mitglied von Googles neuester Plattform hat die Möglichkeit, einen Status zu erstellen, kann darin, ebenfalls wie bei Facebook, Personen direkt verlinken, Links anfügen, Bilder oder Videos hochladen. Auch die Profildaten sind nichts Besonderes.
Besonders an Google+ ist dafür Mehreres:
- Die Circles. Diese Kreise gibt es zwar bei Facebook ebenfalls, sie nennen sich dort Listen, doch kennt sie kaum jemand . Es ist möglich, den Stream eines Nutzers zu abonnieren, indem man ihn per Drag & Drop, d. h. per Ziehen mit der Maus, in einen solchen Kreis zieht, der beispielsweise “Familie”, “Freunde” oder “Kollegen” heißen kann. Nutzer in solche Kreise einzusortieren ist zwingend notwendig, Freundschaftsanfragen oder ähnliches kennt Google+ nicht. Diese Kreise sind in zwei Richtungen interessant:
- Privatsphäre: Google+ geht standardmäßig davon aus, dass der Nutzer seine Beiträge nicht mit allen Menschen teilen möchte, sondern nur bestimmten Zielgruppen. Es fragt bei jedem zu teilenden Status vorher ab, an welche Zielgruppe, sprich an welchen Kreis die Meldung gerichtet sein soll. Es ist so möglich, einen Status nur für die Familie zu schreiben, oder an alle Kontakte in den Kreisen, außer an die “Kollegen”. Natürlich kann ein Status auch auf “öffentlich” gestellt werden, d. h. auch Nicht-Mitglieder von Google+ können ihn sodann lesen. Diese Möglichkeiten stehen zwar theoretisch auch Nutzern von Facebook zur Verfügung, nur weiß dies kaum jemand oder es ist zu wenig pragmatisch gelöst.
- Lesen: Klickt der Nutzer auf “Stream”, kann er die neuesten Meldungen aller Nutzer lesen, die er in seine Kreise eingeteilt hat. Es ist auch möglich, einzelne Kreise aufzurufen. Hat man bspw. einen Circle mit der eigenen Fußball-Mannschaft erstellt, kann man so sehr gut die Meldungen aus dieser Zielgruppe unproblematisch herausfiltern.

Blick auf die Circles
- Die Sparks. Den praktischen Nutzen habe ich zwar noch nicht ganz enträtselt, die Idee ist jedoch, für ein bestimmtes Thema Meldungen aus dem Internet zu sammeln und gefiltert aufzurufen. Wer Meldungen von seinem Lieblingsverein auf einem Blick haben möchte, findet hier was er sucht. Die Ergebnisse ähneln einer Suche bei “Google News”.
- Eine effiziente Applikation für Smartphones. Gibt es bislang zwar erst für das Android, die iPhone-Nutzer müssen sich noch etwas gedulden. Als Android-Nutzer konnte ich mir bereits ansehen, was Google so gebastelt hat. Mein erster Eindruck ist, dass die App für Google+ nicht nur sehr übersichtlich gestaltet wurde, sondern auch sehr schnell ist. Auch via Smartphone kann ich sehr viel mit den Circles arbeiten. Besonders toll finde ich die Geolokalisierungsfunktionalität. Ich als Nutzer entscheide darüber, ob die exakte Adresse angezeigt wird, wo ich mich befinde, ggf. der Gebäudename (Beispiel: Eifelturm) oder nur der Stadtname. Dies hat nicht nur einen praktischen Nutzen, sondern ist auch ein Angebot an die Kritiker, die Geolocation-Dienste aus Privatsphäre-Gründe kritisieren. Es ist nicht immer sinnvoll, seinen exakten Standort anzugeben. Alles in allem: Im Gegensatz zu bisherigen Projekten hat Google verstanden, dass man zum Start direkt eine gute App für Smartphones benötigt und dies nicht erst nach Wochen nachliefern darf.
- Implementierung bisheriger Dienste. Google lebt freilich davon, dass es sehr viele Produkte anbietet und dadurch ein Monopol erreicht. Dies bietet für die Nutzer aber auch einige Vorteile, beispielsweise, dass sich “Buzz” direkt einfügen lässt. Oder wer kann schon auf die Erfahrungen von Picasa zurückgreifen, Googles Fotodienst? Auch hat Google Funktionalitäten aus anderen Produkten implementiert, etwa den Chat von “Google Talk”, wie er auch bei “Google Mail” integriert ist. Großer Vorteil: Ich habe auf meinem Smartphone nicht ein weiteres Chatsystem wie bei Facebook, sondern setze einfach mehr auf die bereits installierte “Google Talk”-App. Heute haben mich zwei neue Freunde darüber angeschrieben.

Fotoalbum: Gekonnte Implementierung dank Picasa
Freilich gibt es bei Google+ auch einige offene Fragen, die meisten werden sich in den nächsten Wochen und Monaten aus der Praxiserfahrung beantworten. Ein Tag Google+ ist zu früh, um ein abschließendes Urteil abzugeben. Der Erfolg von Google+ wird sich alleine daran messen, wie intensiv sich die Nutzer auf diese neue Plattform stürzen. So ein großes Interesse wie an Google+ habe ich jedoch weder bei Buzz noch bei Google Wave erlebt. Auch scheint Google bei “Google Plus” aus alten Fehlern gelernt zu haben. Google ist erwachsen geworden. Google+ wirkt als das modernere Facebook: Es kann das gleiche, nur besser, könnte man nach den ersten Minuten als neuer Nutzer von Google+ denken. Ungeklärt sind jedoch Fragen beispielsweise wie Marken sich dort präsentieren können. Facebook profitiert auch davon, dass Prominente, Sänger, Fußballer und auch Politiker dort präsent sind. Google+ scheint für solche Kunden noch nicht optimiert zu sein. Google+ ist zudem werbefrei: Die Frage lautet, ob dies mittel- oder langfristig so bleiben kann. Zu guter letzt: Was lernt Facebook vom Google-Erfolg, wie reagiert es? Es wird sich verändern, aber es wird auch seine Linie halten müssen. Eine anscheinend kurzfristig gebastelte und heute stark beworbene Circles-Erweiterung für Facebook von Fans erscheint mir zumindest als die falsche Antwort.