Twitterer des Jahres

31. Dezember 2011

Twitter ist ein wahnsinnig interessantes Kommunikations-Medium. Auch ich nutze diesen “Micro-Bloggingdienst” seit langer Zeit und folge mit Stand zum 31.12.2011 1.999 Accounts. Aus diesem Fundus habe ich erstmalig meine “Twitterer des Jahres” ausgezeichnet (Hash-Tag #Twitterer2011). Damit möchte ich deutlich machen, dass es interessante Persönlichkeiten gibt, die mir über das gesamte Jahr hin durchweg positiv aufgefallen sind. Neben einigen Kategorien in denen ich Preisträger bekannt gegeben habe, gibt es drei “Sonderpreise” für Twitter-Accounts, über die meines Erachtens herausragende Arbeit geleistet wird. Auf Vorschlag eines dieser prämierten Twitter-Kollegen fasse ich meine Preisträger zusammen.

Quelle: Twitter.com

Politischer Aufsteiger des Jahres

Politischer Aufsteiger des Jahres: @PeterAltmaier “begann zu begreifen” und gehört inzwischen zum Inventar #Twitterer2011

Peter Altmaier ist parlamentarischer Geschäftsführer der CDU / CSU-Bundestagsfraktion. Der Saarländer hat 2011 mit dem Twittern begonnen und wurde unter anderem damit bekannt, dass er bezogen auf seinen Kollegen Siegfried Kauder und dessen Forderungen nach einen Two-Out-Strikes-Modell schrieb: “Wer Bücher klaut ist kriminell, aber man nimmt ihm nicht die Lesebrille weg.” Er hat außerdem für die FAZ einen tollen netzpolitischen Artikel verfasst. @PeterAltmaier ist mein politischer Aufsteiger des Jahres auf Twitter!

Quelle: Twitter.com

Fernsehkanal des Jahres

Persönlich und stets informativ: @ZDF, bester Fernsehkanal 2011 hier auf Twitter! Wie es 2012 wird…? ;-) #Twitterer2011

Kaum zu glauben: @ZDF auf Twitter (früher: “ZDFonline”) wird von nur zwei Personen geführt – Marco Bereth und Michael Umlandt, die ursprünglich gar nicht für das ZDF gearbeitet haben. Ihr Stil zu twittern ist sehr locker, der Inhalt trotzdem tiefgehend, informativ. Es macht einfach Spaß, Follower des ZDF zu sein. Auch wenn die Kollegen von ProSieben und Sat.1 ebenso gute Arbeit machen: Mein Fernsehkanal des Jahres auf Twitter ist eindeutig das ZDF!

Quelle: Twitter.com

Zeitung des Jahres

Manchmal zu lokal und deshalb spezifisch, aber gewiss das Internet verstanden: @RheinZeitung, die beste Zeitung auf Twitter! #Twitterer2011

Die “Rhein-Zeitung” ist eine Lokalzeitung und aus dem Rheinland stammend, deshalb sind die Inhalte dieser Tageszeitung als Hesse oftmals nicht mein Interesse. Das umfangreiche Online-Angebot bietet jedoch des Öfteren auch überregionale Themen spannend aufbereitet. Die “Rhein-Zeitung” bezieht dabei ganz bewusst auch Informationen von Twitter und scheut sich nicht, auch Twitterer als Quelle anzugeben. Andere Zeitungen hätten gewartet, bis dpa & Co. eine Agenturmeldung veröffentlichen. Auch in der Direkt-Kommunikation via Facebook und Twitter ist die RZ ganz weit vorne. Da können noch viele Tageszeitungen etwas von lernen. Viele Korrespondenten sind zudem selbst auf Twitter, nicht nur um Informationen zu empfangen, sondern auch zu senden. Beispielhaft sei hier Dietmar Brück, RLP-Landeskorrespondent, genannt. @rheinzeitung ist auf Twitter meine Zeitung des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Twitterin des Jahres

Sie hat die Bauern auf #RTL nicht verdient, auch wenn sie ihr größter Fan ist: @Fran_Muc, die sympathischste Twitterin 2011! #Twitterer2011

Es gibt viele gute Twitterinnen auf Twitter, vor allem aus der Union. Seien es Kristina Schröder, Julia Klöckner oder Dorothee Bär. Und eben: Franziska Ferber. Die junge Büroleiterin der stellv. CSU-Generalsekretärin Bär hat einen sehr erfrischenden Stil und zieht ihre Follower gerne in den Bann, bezieht sie in ihre Tweets ein. Und selbst wenn sie mit ihren “Bauer sucht Frau”-Tweets zuweilen die gesamte Timeline überschwemmt, wirken ihre #bsf-Tweets trotz alledem sympathisch. Eine Frau, die Kommunikation kann. Daher ist @Fran_Muc meine Twitterin des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Twitterer des Jahres

Manchmal kompliziert und in der falschen Partei, aber großes Nachwuchstalent: @Schmidtlepp, sympathischster Twitterer 2011! #Twitterer2011

Viele potentielle Preisträger hätte es für diesen Titel gegeben. Aber etwas Mut zur Lücke muss sein: Christopher Lauer ist Abgeordneter in Berlin, er ist zuweilen umstrittener Pirat durch und durch. Ein rhetorisches Talent, der versteht, wie eine Fraktion arbeiten sollte, aber mit seinen Versuchen dafür einzutreten mitunter scheitert. Seine Art auf Twitter zu agieren mag auf Dauer überfordernd wirken, aber sein Stil ist humorvoll und sympathisch. Er ist ein Twitter-Freund von Peter Altmaier. Christopher Lauer: Ein Mann in der falschen Partei, aber mit der richtigen Art. Daher ist @Schmidtlepp mein Twitterer des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: Blogger des Jahres

Sonderpreis I: Die Blogger des Jahres sind @hildwin und @stecki, stets mit einem schlauen Gedanken und flotter “Feder” #Twitterer2011

Sie engagieren sich beide für eine zukunftsgerichtete Netzpolitik: Frank Bergmann und Malte Steckmeister. Ihre Gedanken äußern sie nicht nur umfangreich in internen Gruppen und Mailinglisten bzw. auf Twitter, ihre Gedanken können sie stets auch gut zusammengefasst und pointiert analysiert “runterbloggen”. Die Lektüre ihrer Blogs wird für politisch Interessierte zur Pflicht. 2011 war ihr Jahr. @hildwin und @Stecki haben deshalb einen Sonderpreis mehr als verdient und sind meine Blogger des Jahres!

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: Journalisten des Jahres

Sonderpreis II: Sie liest man gerne, wenn man Journalisten folgen möchte: @raffisweb @chris_albrecht @Mathis22 @dominikrzepka #Twitterer2011

Wenn man denkt, Journalisten veröffentlichen ausschließlich in ihrem eigenen Medium – weit gefehlt! Nicht nur die “Rhein-Zeitung” beweist hier Gegenteiliges. Auch der hr und das ZDF sind vorne dabei. Rafael Bujotzek (ZDF “heute-journal”), Christian Albrecht (hr-online.de), Mathis Feldhoff (ZDF-Hauptstadtstudio) und Dominik Rzepka (heute.de) berichten über ihre Arbeit und darüber hinaus auf Twitter. Ein Vorbild für andere Journalisten. Daher sind sie meine Journalisten des Jahres auf Twitter!

Quelle: Twitter.com

Sonderpreis: FDPler des Jahres

Sonderpreis III: Noch jung, aber “oho” – @LasseBecker, ein Lichtblick bei der krisenbehafteten #FDP? Follower-Tipp! #Twitterer2011

Es mag ein wenig wie Hohn klingen, aber es ist durchaus ernst gemeint: Lasse Becker, der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLis), macht – auch wenn inhaltlich manchmal anderer Meinung als ich – eine hervorragende Arbeit. Er trifft oftmals den Ton. Auch kann er klare Kante zeigen und hat FDP-Abgeordneten angedroht, sollten sie für die Vorratsdatenspeicherung stimmen, bräuchten sie sich bei den JuLis nicht mehr zu zeigen. Wow! Auf Twitter ist er stets ansprechbar, ist trotz seines Aufstieges zum Vorsitzenden der FDP-Jugendorganisation geerdet geblieben. Er ist deshalb (auf Twitter) mein FDPler des Jahres!

Um direkt den möglicherweisen falschen Eindruck des Titels zu verwischen: Berlin ist eine schöne Stadt. Nein, es geht nicht um die Menschen in unserer Hauptstadt, um den schönen Tiergarten, die große Geschichte und die Bauten zwischen Spree und Fernsehturm. Viel mehr geht es in diesem Artikel um den beschränkten Blick manches Journalisten.

Aber der Reihe nach.

Am Sonntag begann die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland. Eine große Chance nicht nur für unser Land, uns nach 2006 als gute Gastgeber zu präsentieren, sondern auch für unsere Mädels, das Triple zu holen und nach 2003, 2007 erneut Weltmeister zu werden. Sie hätten es sich verdient. Obgleich sich der Frauen-Fußball noch in der Entwicklung befindet, findet er immer mehr Anhänger, und das nicht erst seitdem am Sonntag rund 73.000 Menschen im Berliner Olympiastadion ihre Spielerinnen anfeuerten. Spätestens als zehntausende Fans 2007 auf dem Frankfurter Römer standen und unsere Frauen mit dem Pokal empfangen, hat Fußball-Deutschland auch die Mannschaft um Trainerin Silvia Neid ins Herz geschlossen.

Verschiedene Medien haben das Thema in letzter Zeit aufgegriffen. Längst hat es zwar noch keine Dimensionen wie bei den Männern erreicht; dass ARD und ZDF alle Spiele der Weltmeisterschaft live zeigen, und nach dem Sonntag-Spiel gegen Kanada die Nachrichtenagenturen Eilmeldungen verschickten, was spätestens jeden noch so verbohrten Zeitungsredakteur am Schreibtisch wachrüttelte, zeigt, wie sehr die Nachfrage da ist.

SPIEGEL ONLINE, das Leitmedium im Internet schlechthin, hat sich der Berichterstattung ebenfalls angeschlossen und berichtete auffällig viel über das erste Gruppenspiel gegen Kanada. Erstaunt blickte ich, umso später es am Sonntagabend wurde, auf einen Artikel mit der Überschrift: “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden”. Dort tut Nora Gantenbrink für SPIEGEL ONLINE Kund, was sie am Abend in Berlin erlebte, und das scheint sie doch recht unzufrieden gemacht zu haben. Sie hat folgende Szenen beobachtet:

Die großen Pilgerströme hin zu den Public-Viewing-Plätzen von grölenden Menschen in Schwarz-Rot-Gold-Weiß bleiben in der Hauptstadt bislang aus. Hinter den Menschen auf den Bierbänken trödeln Touristen lang, nebenan pokert ein Männerquartett konzentriert vor einer Dönerbude. Die vorbeifahrenden Wagen sind Deutschlandfahnen-frei.

Warum das so ist, diese Antwort liefert sie uns gleich mit:

Es gibt keine Fanmeile am Brandenburger-Tor, keinen Party-Sammelpunkt, aber ein paar Kneipen (…).

Auch der obligatorische Männerfußball-Vergleich darf bei Nora Gantenbrink nicht fehlen:

An dem Tag, an dem das Sommermärchen in Deutschland begann, sah man kaum ein Fahrzeug ohne Deutschlandflagge, während der Spiele waren die Supermärkte und Straßen leer, und Deutschland versank außerhalb von Fernsehgeräten, dem Stadion und Public-Viewing-Plätzen in einen Dornröschenschlaf. Aber Frauen- und Männerfußball vergleichen, das gilt generell als verpönt (…).

Schließlich zitiert sie noch jemanden aus einer Fußball-Bar, der ihr die tolle Überschrift “Ist ja der Anfang, kann ja noch werden” für ihren Text schenkte. Dem Mann, er soll Moritz heißen, ist zu danken. Damit hätte sie eigentlich schon alles sagen können. Ansonsten wäre eventuell noch folgendes interessant gewesen:

Aber das scheint die Dame von SPIEGEL ONLINE ja nicht zu interessieren. Für sie scheint Berlin der einzige Gradmesser für die Stimmungslage in Deutschland zu sein. Schade.